In der syrischen Stadt Madaja sind 40.000 Menschen von der Versorgung abgeschnitten. Regierungstruppen und Mitglieder der Hisbollah-Miliz belagern die Stadt seit mehreren Monaten, Tausenden Menschen droht der Hungertod. Ein Arzt in Madaja berichtete der Nachrichtenagentur dpa, die Bewohner würden inzwischen Gras essen und hätten begonnen, Katzen und Hunde zu schlachten. Seine Angaben konnten nicht überprüft werden, durch die Belagerung ist es schwer, an verlässliche Informationen zu kommen.

Auch lokale Medien berichteten von der Hungersnot in Madaja. Die Website des TV-Kanals Al Jazeera berichtete, alleine im Dezember seien in dem Ort, der etwa 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Damaskus liegt, 31 Menschen verhungert. Das in Istanbul ansässige Oppositionsbündnis Syrische Nationalkoalition warnte vor einer Katastrophe. Es müsse sofort gehandelt werden, um die Leben von Zivilisten zu retten. Zunächst nicht zu verifizierende Fotos aus der Stadt zeigten abgemagerte und leblose Körper.

Die letzte Hilfslieferung habe Madaja im Oktober erreicht, sagte eine Sprecherin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP). Lastwagen mit Nahrungsmitteln für die Stadtbewohner stünden bereit. Voraussetzung sei, dass die Konfliktparteien den Helfern Zugang gewähren.

Dem britischen Guardian sagte ein Sozialarbeiter der Stadt am Telefon, die Belagerung habe zu einem Schwarzmarkt mit Wucherpreisen für Lebensmittel geführt. Ein Kilo Reis koste mehr als 230 Euro. Nach Angaben des Roten Kreuzes sei es zudem sehr kalt. Madaja liegt in 1.500 Metern Höhe. Es gebe weder Strom noch Treibstoff. Um sich zu wärmen, würden Bewohner Plastik und Möbel verbrennen.

Belagerungen beliebtes Mittel beider Konfliktparteien

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte dauert die Belagerung Madajas seit mehr als 170 Tagen an. Der Ort gilt als Zufluchtsort für Rebellen und wird deswegen stark bombardiert.

Belagerungen sind ein beliebtes Mittel beider Konfliktparteien im bald fünf Jahre andauernden Bürgerkrieg. Sowohl Regierungstruppen als auch Rebellen wollen damit das Land unter ihre jeweilige Kontrolle bringen. Die Belagerung des mehrheitlich von Sunniten bewohnten Madajas wird von Beobachtern als Reaktion auf die Belagerung der mehrheitlich von Schiiten bewohnten Dörfer Kafraja und Fua in der Provinz Idlib gesehen. 

Rebellen belagern Kafraja und Fua seit mehr als einem Jahr, beide Dörfer sind ebenfalls von der Versorgung abgeschnitten. Im September verschlimmerte sich die Situation der Bewohner in der ganzen Region, als die Rebellen einen nahe gelegenen Luftwaffenstützpunkt einnahmen. Über diesen Stützpunkt hatten die Menschen Lebensmittel bezogen.