Die Bundesanwaltschaft hat vier Mitglieder der mutmaßlichen Neonazi-Terrorgruppe Oldschool Society angeklagt. Die Justiz wirft den drei Männern und einer Frau im Alter von 23 bis 57 Jahren die Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie die Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens vor.

Die Gruppe war am 6. Mai vergangenen Jahres während einer bundesweiten Razzia aufgeflogen, an der die Polizei-Elitetruppe GSG9 beteiligt war. Die Beamten fanden "pyrotechnische Gegenstände mit großer Sprengkraft sowie weitere Beweismittel". Wenige Tage zuvor hatten Mitglieder illegale Pyrotechnik in Tschechien gekauft. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft wollten die Rechtsextremen wenige Tage später – zwischen dem 8. und 10. Mai – einen Sprengstoffanschlag auf eine bewohnte Flüchtlingsunterkunft in der Nähe von Borna in Sachsen verüben.

Nach Auffassung der Ermittler sind die vier aus der rechten Szene stammenden Beschuldigten hinreichend verdächtig, spätestens im Januar 2015 die Gruppe gegründet zu haben. Sie sollen zuvor im August 2014 mit anderen Gleichgesinnten eine Chatgruppe mit der Bezeichnung Oldschool Society eingerichtet haben und sich dort regelmäßig über Ziele ausgetauscht haben. In einem sozialen Netzwerk hätten sie zudem weitere Mitglieder angeworben.

Intern radikalisiert

Die Gruppe habe sich Ende 2014 immer weiter radikalisiert und eine Führungsebene geschaffen, zu der als Präsident und Vizepräsident die Angeschuldigten Andreas H. und Markus W. zählten. Die Angeschuldigte Denise Vanessa G. sei als Schriftführerin für die Beitragszahlungen der Mitglieder zuständig gewesen und der Angeschuldigte Olaf O. als Pressesprecher tätig gewesen. Markus W. stammt MDR-Informationen zufolge ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen. Der 39-Jährige soll Mitglied der Kameradschaft Aachener Land gewesen und nach deren Verbot 2010 erst ins Umland von Frohburg und 2013 dann nach Borna gezogen sein.

Während die Gruppe nach außen nur mit allgemeinen rechten Themen aufgetreten sei, hätten die Angeschuldigten die interne Radikalisierung weiter vorangetrieben. So seien Mitte November 2014 die Herstellung von Sprengstoff sowie Übergriffe auf Salafisten und Asylbewerber erörtert worden. Sich selbst stellte die Gruppe in ihrem Facebook-Auftritt als "eine Verbindung gleichgesinnter Menschen die, die Werte Respekt, Loyalität, Ehre, Bruderschaft und Toleranz nicht nur als Floskel sehen, sondern diese Tugenden leben… Unser Motto lautet wieder zurück zu den Wurzeln ,zu unseren alten Traditionen." (Interpunktionsfehler im Original) Weiter heißt es: "Im Mittelpunkt stand der Kampf um die Straße ,sowie der Heimat und das Feiern der Feste wie sie fallen." Die Facebook-Site wurde Anfang Mai 2015 eingerichtet, kurz nach der Razzia und kurz nachdem die ursprüngliche Seite gesperrt worden war. In einem auf YouTube veröffentlichten Musikvideo ruft die Gruppe zum Kampf gegen den Staat und dem "Kampf fürs Vaterland" auf.

Seit ihrer Festnahme befinden sich die vier Verdächtigen in Untersuchungshaft. Der Prozess soll vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München stattfinden.

ZEIT ONLINE und DIE ZEIT hatten Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte im Jahr 2015 recherchiert und den Ermittlungserfolg von Polizei und Justiz dokumentiert. Bei 222 Fällen gab es insgesamt nur 4 Urteile. Die Themenseite finden Sie hier.