Der zunächst als Walid Salihi bekannte Attentäter von Paris, der im Januar mehrere Polizisten angegriffen hatte, nutzte nicht nur acht sondern 20 Identitäten, verteilt auf acht Länder. In sieben Ländern hatte er Asyl beantragt. Das teilte der Chef des Landeskriminalamts von Nordrhein-Westfalen, Uwe Jacob, in Düsseldorf mit.

Der 24-jährige Tunesier sei als Tarek Belgacem geboren worden. Die Identifizierung sei mit einem Fingerabdruck des Getöteten gelungen, Gewissheit solle eine noch ausstehende DNA-Analyse durch die Behörden in Frankreich bringen.

Die Beamten hätten keine Verbindungen zu einem islamistischen Netzwerk gefunden, Belgacem habe auch keine Kontakte zur Salafistenszene gehabt. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus. Auf seinem Computer habe sich jedoch islamistische Propaganda befunden und an die Wand seines Zimmers habe jemand eine IS-Flagge gezeichnet.

Der Fall zeige deutlich, dass es ein Problem bei dem Abgleich von Daten von Asylsuchenden in der EU gebe, sagte Jacob. Die europäische Asyl-Datenbank Eurodac gehöre auf den Prüfstand. Der Polizei müssten außerdem alle verfügbaren Daten zur Verfügung gestellt werden, um umherreisende Straftäter erkennen zu können. Dennoch dürfe man kein EU-Bashing betreiben. Er sei ein großer Verfechter der europäischen Idee.

Der Angreifer hatte am 7. Januar, dem Jahrestag des Anschlags auf die Satirezeitung Charlie Hebdo, mit einem Metzgerbeil bewaffnet Polizisten vor einem Kommissariat im Pariser Viertel Goutte d'Or attackiert. Er hatte "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen. Die Polizisten erschossen den Mann, er trug auch eine Sprengstoffgürtel-Attrappe.

Unter dem Namen Salihi war der Mann am 1. Dezember 2013 erstmals in Deutschland eingereist. Er hatte seit 2014 in einer Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen gelebt und besaß eine Aufenthaltsgenehmigung der Stadt. Nach Angaben des LKA hielten andere Bewohner des Heims den Attentäter für "durchgeknallt". Er habe auch Drogenprobleme gehabt. Bereits 2011 war der Mann nach Rumänien eingereist und nach Tunesien abgeschoben worden. Anschließend stellte er weitere Asylanträge und wurde straffällig. In NRW verbüßte er eine einmonatige Freiheitsstrafe.

Festnahmen in Recklinghausen

Das LKA hat am Morgen erneut Zimmer der Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen durchsucht. Dabei seien keine Hinweise zu möglichen weiteren Attentätern aufgetaucht. Parallel dazu hatte auch die Polizei Razzien in Unterkünften durchgeführt. Sie war auf der Suche nach kriminellen Flüchtlingen.

Neun Verdächtige in zwei Asylunterkünften seien festgenommen worden. In drei Fällen werde illegaler Aufenthalt vermutet, teilte die Polizei mit. Sechs Personen würden wegen Diebstahls verdächtigt. Es seien Diebesgut, Einbruchswerkzeuge und offenbar auch Drogen sichergestellt worden.