Als Reaktion auf die Übergriffe in der Silvesternacht will die Stadt Köln ihre Sicherheitsvorkehrungen für Großveranstaltungen verschärfen. "Wir haben heute Morgen gemeinsam Maßnahmen entwickelt, die dazu führen sollen, dass es solche Vorfälle hier nie wieder gibt", sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker nach einem Sondertreffen mit Polizeivertretern. Das Karnevalfeiern lasse sich die Stadt dennoch nicht verbieten, sagte Reker.

Am Silvesterabend hatten sich auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs laut Polizei etwa 1.000 Feiernde versammelt. Inmitten dieser Menschenmenge hätten Gruppen von Männern Frauen umzingelt, angefasst und bestohlen. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung.

Albers erläuterte auf der Pressekonferenz, welche Maßnahmen die Behörden kurzfristig ergreifen werden. Zum einen werde die Präsenz der Einsatzkräfte während der Karnevalszeit erhöht, sagte Albers. Darüber hinaus würden temporäre Videoüberwachungsanlagen in der Stadt installiert. Bei bereits auffällig gewordenen Straftätern werde erwägt, ihnen das Betreten bestimmter Bereiche der Stadt zu gewissen Zeitpunkten zu verbieten. Die juristischen Hürden dafür seien hoch, würden aber geprüft, sagte Albers. Außerdem werde es eine "niedrige Einschreitschwelle" bei den Polizisten geben, sagte Michael Temme, der leitende Polizeidirektor der Stadt Köln.

Mit Bezug auf die Täter aus der Silvesternacht sagte Albers, über sie wisse man bislang wenig. Sicher sagen könne er nur, dass es sich um junge Männer gehandelt habe. "Es gibt keine 1.000 Täter." So viele Menschen hätten sich in der Nacht insgesamt auf dem Platz befunden. Es habe eine Ansammlung von Menschen gegeben, aus der heraus Straftaten begangen worden seien. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er noch keine Zahl von Tätern oder Tatverdächtigen nennen.

Albers bestätigte, dass Zeugen Männer beschrieben hätten, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammten. Reker ergänzte, die Behörden hätten keinerlei Hinweise, dass es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handele. Entsprechende Vermutungen halte sie für "absolut unzulässig".

Polizei räumt Fehleinschätzung ein

Im Polizeibericht am Neujahrsmorgen war zwar von der Räumung des Platzes die Rede, dort wurde die Einsatzlage aber noch als "entspannt" bezeichnet. Albers nannte das einen Fehler. Zwar hätten die Einsatzkräfte auf der Domplatte gegen ein Uhr nachts erstmals von sexuellen Übergriffen auf dem Platz erfahren, sagte Temme. Das gesamte Ausmaß der Übergriffe sei aber auch zu diesem Zeitpunkt noch unklar gewesen.

Er beschrieb eine schwierige Lage, die sich bereits vor Mitternacht über mehrere Stunden aufgeheizt hatte: Schon gegen 21 Uhr hätten sich 400 bis 500 junge Männer auf dem Platz versammelt, die "reichlichst" Alkohol getrunken und unkontrolliert Feuerwerkskörper abgefeuert hätten. Bis Mitternacht habe sich die Gruppe auf etwa 1.000 hauptsächlich junge Männer vergrößert, sagte Temme. Die Stimmung sei deutlich aggressiver geworden, die Männer hätten sich "völlig enthemmt und unbeeindruckt von polizeilichen Maßnahmen" gezeigt. Bevor die Situation weiter eskalierte, habe die Polizei den Platz geräumt. Dieser Einsatz habe "den Einsatzkräften einiges abverlangt", sagte Temme.

Albers sagte, die Polizei habe ausreichend Kräfte auf dem Bahnhofsvorplatz gehabt. "Wir waren an dem Abend ordentlich aufgestellt." Das volle Ausmaß der Vorfälle sei der Polizei aber erst am 1. Januar bewusst geworden, als die ersten Anzeigen eingegangen waren, sagte Albers.