In Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg haben unbekannte Täter eine Handgranate auf eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge geworfen. Der Anschlagsversuch scheiterte jedoch, da der Sprengkörper nicht explodierte. Verletzt wurde niemand. In dem Gebäude sind 170 Menschen untergebracht.

Ein Sicherheitsmann hatte nach Angaben der Polizei um 1.15 Uhr ein Geräusch gehört. Da schlug die Waffe auf einer asphaltierten Fläche im Innenhof der Unterkunft auf, einer etwas zurückgesetzt liegenden ehemaligen französischen Kaserne. 

Meldungen, nach denen der Sicherheitssplint, welcher die Granate scharf macht, gezogen war, wollte ein Polizeisprecher auf Nachfrage nicht bestätigen. Der Splint sei bisher nicht gefunden worden, hieß es zur Begründung.

Die Polizei hatte nach dem Fund das Gelände abgesperrt. 20 Bewohner mussten für mehrere Stunden ihre Wohnungen verlassen. Eine Entschärfungseinheit des Landeskriminalamts Baden-Württemberg rückte an und sprengte die Handgranate am frühen Morgen kontrolliert. Derzeit suchen Ermittler das Gelände nach Bruchstücken ab, Spezialisten sollen die Überreste der Waffe untersuchen. 

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte

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Die Polizei hat eigenen Angaben nach keinerlei Hinweise auf den oder die Täter. Eine organisierte rechte Szene gibt es in Villingen-Schwenningen nach Einschätzung der Polizei nicht.

Bei der Kriminalpolizei Rottweil wurde eine Sonderkommission eingesetzt, um die Täter zu finden. Die Polizei startete einen Zeugenaufruf.

Bundesjustizminister Heiko Maas forderte, den Angriff schnell aufzuklären und warnte vor den möglichen Folgen der anhaltenden Gewalt. "Sprengkörper auf Flüchtlingsheime fliegen heute schon, wir dürfen nicht abwarten, bis es die ersten Toten gibt", sagte der SPD-Politiker. "Wir müssen alles tun, damit fremdenfeindliche Übergriffe noch rascher aufgeklärt und konsequenter geahndet werden."

Gewaltvorfälle häufen sich. Ein Rechercheteam von ZEIT ONLINE und der ZEIT hat Ende 2015 die bis dahin aufgelaufenen 222 Fälle von Angriffen auf Unterkünfte untersucht, in denen Menschen zu Schaden gekommen sind oder in Gefahr waren. Die wenigsten dieser Angriffe werden aufgeklärt und die Täter verurteilt. Nur in vier der untersuchten 222 Fälle wurden die Täter verurteilt, in acht weiteren Fällen wurde Anklage erhoben. Das entspricht fünf Prozent der Angriffe. In 93 Fällen des untersuchten Zeitraums richteten sich Brandanschläge gegen bewohnte Unterkünfte.