Polizisten untersuchen einen Bürocontainer auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft. © Thomas Niedermueller/Getty Images

Die Polizei hat bisher keinen Zeugen ermittelt, der beobachtet hat, wer die Handgranate in der Nacht zum Freitag in den Hof einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen geworfen haben könnte. Anderslautende Berichte dementierte der Leiter der Sonderkommission Container, Rolf Straub, auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag.

In der Nacht zum Freitag war die Handgranate auf das Gelände der sogenannten bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle im Schwarzwald-Baar-Kreis geworfen worden. Die Granate explodierte jedoch nicht. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Ermittler untersuchen nun, ob die Waffe einen Zünder hatte und damit tatsächlich scharf war. Aus Polizeikreisen hatte es zunächst geheißen, die Handgranate sei scharf gewesen. Es stehe fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war, sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz.

Die Sonderkommission bestehe aus 75 Beamten, die in alle Richtungen ermittelt. Sie wird unterstützt vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg und dem Verfassungsschutz. Die Kommission konzentriert sich auf die Vermutung, dass es sich um eine fremdenfeindliche Tat handelt. Trotzdem habe die Polizei die Pflicht, auch andere Richtungen zu beleuchten.

Mittlerweile hätten die Ermittler fast alle Nachbarn zu dem Vorfall befragt und dabei den ein oder anderen Hinweis erhalten, dem sie nun nachgingen, sagte Straub.

Straub gab weitere Details zur Tat bekannt. Die Handgranate sei von der Straße aus in Richtung eines Bürocontainers geworfen worden, der neben der eigentlichen Flüchtlingsunterkunft auf dem alten Kasernengelände steht. Sie prallte von einem Sicherheitszaun am Eingang der Flüchtlingsunterkunft ab und landete vor dem Container. In dem Container hielten sich nach Auskunft des Regierungspräsidiums Freiburg zur Tatzeit drei Sicherheitsleute.

Zum Fabrikat der Handgranate und warum sie nicht explodierte, machte die Polizei keine Angaben. Soko-Chef Straub sagte, aus ermittlungstaktischen Gründen wolle er so wenige Informationen preisgeben wie möglich.

Maas: "Erschreckend"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete den Wurf der Handgranate als "feigen" Angriff. Die Attacke sei inakzeptabel, sagte er dem Sender N24. Er setze nun auf schnelle Ermittlung und eine Anklage gegen die Urheber des "infamen" Angriffs.

Er verstehe die Sorgen und Kritik der Bürger in der Flüchtlingsdebatte, sagte de Maizière weiter. "Aber bei Gewalt hört es dann auf." Die Bundesregierung wolle weder, dass Asylbewerber straffällig werden, noch dass gegen diese Straftaten begangen würden.

Justizminister Heiko Maas erklärte zu dem Anschlag, das Ausmaß der Gewalt sei erschreckend. Er hob hervor: "Wir können alle nur dankbar sein, dass dieses Mal niemand verletzt wurde." Ein Sprecher des Justizministeriums sagte, Maas habe die Landesjustizminister für den März nach Berlin eingeladen, um über eine bessere Strafverfolgung ausländerfeindlicher Gewalt zu diskutieren. "Sprengkörper auf Flüchtlingsheime fliegen heute schon, wir dürfen nicht abwarten, bis es die ersten Toten gibt", sagte Maas.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter erklärte, Deutschland müsse "diesen neuen rechten Terror sehr ernst nehmen". Dazu gehöre auch, genauer hinzuhören, "wer mit welchen Parolen dem Rechtsextremismus in Deutschland Vorschub leistet", mahnte Hofreiter. Vorurteile gegen Flüchtlinge zu schüren bereite den Nährboden für rechte Gewalt.

Bernd Riexinger, Vorsitzender der Linkspartei, forderte von Baden-Württembergs Landesregierung eine Erklärung, wie es möglich sei, Handgranaten zu besitzen und "ungehindert zum Einsatz zu bringen". Er konstatierte, die Flüchtlingsdebatte habe ein "erschreckendes Ausmaß menschenverachtenden Gedankenguts bis in die Mitte der Gesellschaft hinein offenbart".

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte Spiegel Online, Handgranaten seien "Kriegswaffen". Wer diese gegen Flüchtlingsunterkünfte werfe, sei ein "Terrorist".

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte

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