Es ist gut gepflegte Wiener Folklore: Jedes Jahr versetzt der Akademikerball die österreichische Hauptstadt in den Ausnahmezustand. Die Burschenschafter tanzen in den imperialen Räumen der Wiener Hofburg, die Massen demonstrieren vor der Tür. Am morgigen Freitag ist es wieder so weit, Tausende Polizisten werden im Einsatz sein, die Innenstadt wird zur Sicherheitszone. Die Kulisse stimmt – und dennoch ist diesmal einiges anders.

Lange Zeit galt der Ball als Vernetzungstreffen der europäischen Rechten. Politiker und Aktivisten, Burschenschafter und Sympathisanten trafen sich zum gemeinsamen Rechtswalzer. Doch seit die FPÖ im Jahr 2013 die Veranstaltung vom Wiener Korporationsring – dem Zusammenschluss der "akademischen nationalliberalen Korporationen" – übernommen hat, haben vor allem liberale Verbindungsbrüder aus Deutschland die Lust daran verloren. Die Besucherzahlen gingen zurück, illustre Gäste – wie etwa Marine Le Pen aus Frankreich – bleiben seitdem aus.

Nicht nur der Ball, auch die FPÖ leidet unter einem Bedeutungsverlust in der europäischen rechten Szene. Wehmütig erinnern sich viele daran, wie Jörg Haider einst als ein nationaler Posterboy in Europa herumgereicht wurde. Als im vergangenen Dezember der Economist in einer Titelgeschichte über den Vormarsch rechter Parteien berichtete, wurde die FPÖ nicht einmal erwähnt. Unter Haider hätt's das nicht gegeben, lachten einige in Wien hämisch.

Doch die FPÖ hat mittlerweile einen neuen Tanzpartner: Pegida. Gemeinsam wird gegen eine vermeintliche Islamisierung gewettert und gegen Flüchtlinge Stimmung gemacht. Die Spaziergänger aus Dresden und die größte Oppositionspartei Österreichs haben zueinander gefunden.

Als Pegida-Gründer Lutz Bachmann die FPÖ und Heinz Christian Strache vor zwei Wochen bei deren Neujahrstreffen im oberösterreichischen Wels besuchte, überschütteten sich die beiden Herren mit Komplimenten. Pegida sei eine "äußerst erfolgreiche überparteiliche Bürgerprotestbewegung", die "wöchentlich Zigtausende Bürger – zwecks berechtigter Massenproteste und gegen eine drohende Islamisierung Europas – auf die Straße bringt", sagte Strache.

Auf der Bühne donnerte Strache später gegen die Asylpolitik, bezeichnete Bundeskanzler Werner Faymann als "Staatsfeind", "Bürgerfeind" sowie "Österreichfeind" und rief zu wöchentlichen Massendemonstrationen gegen die Regierung in Wien auf. Es ist wohl kein Zufall, dass Bachmann fast zeitgleich europaweite Proteste ankündigte.

Der Pegida-Anführer zeigte sich entzückt von dem Treffen und schrieb auf Facebook: "Von HC (die von der FPÖ für Marketingzwecke benützte Abkürzung für Heinz Christian, Anm.) und der FPÖ lernen, heißt siegen lernen!"