Angesichts der steigenden Zahl von Anschlägen auf Flüchtlingsheime hat Generalbundesanwalt Peter Frank ein härteres Vorgehen gegen rechtsextreme Straftäter angekündigt. Die Rechten seien zwar in der Vergangenheit zersplittert gewesen. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass sie sich "neu formieren", sagte Frank dem Spiegel. "Wir beobachten Anschläge, ja Anschlagsserien, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind."

Ein Einschreiten des obersten deutschen Strafverfolgers kündigte Frank für mehrere Szenarien an. Karlsruhe werde Fälle an sich ziehen, wenn eine rechtsterroristische Vereinigung involviert sei, wenn es "zu pogromartigen Szenen wie in den neunziger Jahren in Rostock-Lichtenhagen" komme oder wenn es Tote oder Schwerverletzte bei einem Anschlag gebe.

In Rostock-Lichtenhagen hatte im August 1992 ein rechtsextremer Mob unter dem Beifall Schaulustiger randaliert und das zentrale Aufnahmeheim für Asylbewerber angezündet. Wie durch ein Wunder konnten sich alle Menschen im Haus retten.

Frank gehe es vor allem darum, deutlich zu machen, dass solche Straftaten als so schwerwiegend für das friedliche Zusammenleben in Deutschland und das Ansehen Deutschlands im Ausland betrachtet werden, dass die Staatsanwaltschaft des Bundes einschreiten muss.

Seit Monaten gibt es fast täglich Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland. Dabei wurden unter anderem Steine geworfen, Brände gelegt und Sprengsätze benutzt. In den meisten Fällen wurden die Täter bislang nicht gefasst.

Auch der Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz warnte Anfang Februar vor zunehmender rechtsextremer Gewalt. Zuvor waren mehrere Flüchtlingsheime in Sachsen angegriffen worden. In Deutschland herrsche "eine Pogromstimmung, die eine kreuzgefährliche Intensität bekommt", sagte Merbitz der Leipziger Volkszeitung.

Laut Recherchen von ZEIT ONLINE wurden im Jahr 2015 über 200 Flüchtlingsunterkünfte attackiert, fast keine dieser Taten konnte aufgeklärt werden.