Etwa 2.000 Menschen haben nach Polizeiangaben in Augsburg gegen einen Auftritt von AfD-Chefin Frauke Petry im historischen Rathaus der Stadt demonstriert. Vor dem Gebäude hielten Teilnehmer einer Mahnwache Schilder hoch mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Auf einem Transparent stand "Schämen Sie sich, Frau Petry!"

Die Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) war eine Rednerin beim Neujahrsempfang der AfD, der am Abend im Augsburger Rathaus stattfand. Verschiedene Gruppen hatten zur Gegendemonstration auf dem Rathausplatz unter dem Motto "Amore statt Peng-Peng" aufgerufen. Zudem veranstaltete das Bündnis für Menschenwürde die Mahnwache "Augsburg. Wir sind Friedensstadt". Etwa zehn Aktivisten sollen sich in den Saal geschmuggelt und während der Veranstaltung auf Stühle gestellt haben, berichtet die Augsburger Allgemeine. Sie hätten T-Shirts mit der Aufschrift "Augsburg ist bunt" getragen.

Ein großes Aufgebot der Polizei sicherte das Rathaus und den Rathausplatz. Nach Angaben eines Polizeisprechers gab es nur einzelne kleinere Rangeleien zwischen links- und rechtsgerichteten Demonstranten. Insgesamt sei die Lage ruhig gewesen.

Dem Auftritt Petrys war eine juristische Auseinandersetzung zwischen der AfD-Politikerin und dem Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) vorangegangen. Nach umstrittenen Äußerungen Petrys zum Schusswaffen-Einsatz gegen Flüchtlinge hatte Gribl Petry zunächst Hausverbot im Augsburger Rathaus erteilt und den AfD-Empfang im Rathaus untersagt. Beide Verbote wurden durch Eilverfahren vom Augsburger Verwaltungsgericht gekippt.

Das Gericht schrieb: "Die von der Stadt Augsburg herangezogenen, politisch und gesellschaftlich äußerst umstrittenen Äußerungen von Frau Dr. Petry könnten nicht als eine das Verbot rechtfertigende Störung des Dienstbetriebs gewertet werden." Im Hinblick auf das Grundrecht auf Meinungsfreiheit, das Verbot einer Diskriminierung politischer Anschauungen und die Parteienfreiheit seien Aussagen, die nicht offensichtlich einen Straftatbestand erfüllten oder zu Straftaten aufrufen würden, im Rahmen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung grundsätzlich zulässig.