Auschwitz-Prozess - Prozess gegen ehemaligen SS-Sanitäter vertagt Vor dem Landgericht Neubrandenburg hat der Prozess gegen einen früheren SS-Mann begonnen. Kurz nach der Eröffnung musste er jedoch vertagt werden, weil der 95-jährige Angeklagte nicht zur Verhandlung erschienen war. Dem Angeklagten Hubert Z. wird Beihilfe zum Mord in 3.681 Fällen vorgeworfen.

Der Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager KZ Auschwitz vor dem Landgericht Neubrandenburg ist gleich zum Auftakt vertagt worden. Der 95-jährige Angeklagte sei krank, teilte das Gericht mit. Er habe unter anderem hohen Blutdruck und Selbstmordgedanken. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Rentner aus einem Dorf bei Neubrandenburg Beihilfe zum Mord in mindestens 3.681 Fällen vor. Als Mitglied der SS-Sanitätsstaffel sei ihm bekannt gewesen, dass in dem KZ Menschen systematisch und industriell getötet wurden. Er habe sich in den Betrieb des Lagers "unterstützend eingefügt".

Von dem Gesundheitszustand des Angeklagten hängt die gesamte Prozessplanung der Schwurgerichtskammer ab. Die umfangreiche Anklage soll am 14. März verlesen werden.

Der frühere SS-Sanitäter soll 1943/44 zweimal mehrere Wochen im KZ Auschwitz-Birkenau gearbeitet haben. Für den ersten Einsatz wurde er bereits 1946 in Polen verurteilt. Nun steht er für seine Tätigkeit von Mitte August bis Mitte September 1944 vor Gericht. In der Zeit seien dort 3.681 Menschen in Zügen angekommen und getötet worden.

Ähnliche Verfahren gegen ehemalige SS-Angehörige liefen beziehungsweise laufen in Lüneburg (Niedersachsen), Detmold (Nordrhein-Westfalen), Hanau (Hessen) und Kiel (Schleswig-Holstein). In dem Fall gegen den Mann aus der Nähe von Neubrandenburg wurde seit zwei Jahren ermittelt. Die Kammer hatte ein Verfahren gegen den Rentner 2015 aus gesundheitlichen Gründen zunächst abgelehnt. Das Oberlandesgericht hatte die Verhandlung anhand eines neuen Gesundheitsgutachtens dann aber angeordnet.

Der Angeklagte soll vom 15. August bis zum 14. September 1944 im SS-Sanitätsdienst in Auschwitz-Birkenau gearbeitet haben. Dort habe er SS-Angehörige betreut, sagte sein Anwalt Peter-Michael Diestel. In der Zeit sind laut Staatsanwaltschaft in dem Lager 3.681 Menschen vergast worden. Die Anklage orientiert sich an 14 Deportationszügen, die aus Polen, Slowenien, Griechenland und Deutschland gekommen und in der Zeit das KZ erreicht haben sollen. In einem Zug aus Westerbork (Niederlande) habe sich auch Anne Frank mit ihrer Familie befunden.

Das nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. In dem 1941 von Nazi-Deutschland im besetzten Polen bei Krakau errichteten Stammlager Auschwitz waren zunächst vor allem polnische politische Gefangene inhaftiert. Von Herbst 1942 an begann im eigentlichen Todeslager Birkenau der Völkermord in den Gaskammern.

Die genaue Zahl der Opfer kann vermutlich nie ermittelt werden, da viele Menschen direkt nach der Ankunft an der Rampe von Birkenau in den Gaskammern ermordet wurden. Nach Schätzungen starben in Auschwitz-Birkenau mehr als eine Million Menschen, zumeist Juden.