Mitten im morgendlichen Berufsverkehr sind in Bayern zwei Nahverkehrszüge aufeinandergeprallt. Nach ersten Angaben der Bundespolizei gab es mindestens neun Tote, darunter die beiden Lokführer und zwei Zugbegleiter. Mehr als 80 weitere Fahrgäste wurden bei dem Zusammenstoß verletzt – 18 von ihnen schwer. Während die Bergung der Verletzten mittlerweile abgeschlossen sei, könnten sich noch weitere Tote im Zug befinden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Rosenheim. Zwei Menschen würden noch vermisst.

Das Unglück ereignete sich nach Angaben der Bahn gegen 6.40 Uhr zwischen Bad Aibling und Kolbermoor und betrifft Regionalbahnen des französischen Bahnbetreibers Transdev. Diese verkehren unter dem Namen Meridian zwischen München und Rosenheim. Zwei dieser Züge kollidierten in einer Kurve frontal auf der sogenannten Mangfalltalbahn, einer eingleisigen Strecke. Nach Angaben der Bahn dürfen die Züge in diesem Streckenabschnitt bis 100 Stundenkilometer fahren.

Die Unfallstelle in der Nähe des Klärwerks von Bad Aibling ist großräumig abgesperrt, laut Polizei ist die Lage auch Stunden nach dem Unglück noch unübersichtlich. Die Unfallstelle ist sehr schwer zugänglich und liegt an einer Hangkante, die zu dem Fluss Mangfall abfällt. Sämtliche Rettungskräfte aus der Region wurden  zusammengezogen, um die Menschen aus den Zügen zu bergen und zu versorgen. Auch Notfallteams der Deutschen Bahn und von Transdev sind vor Ort. Journalisten erhielten keinen Zutritt zur Unfallstelle.

Zugunglück - Zahl der Todesopfer gestiegen In Bad Ailbing laufen nach dem schweren Zugunglück nun die Bergungsarbeiten. Laut Polizei seien mindestens neun Menschen ums Leben gekommen, eine Person wird noch vermisst.

Auch das österreichische Bundesland Tirol stellt Bayern Hilfe bereit: Mitarbeiter des Roten Kreuzes seien im Einsatz, die Leitstelle Rosenheim habe vier Notarzthubschrauber angefordert. Auch das Krankenhaus in Kufstein nahe der deutschen Grenze stehe für die Übernahme und Versorgung von Verletzten bereit.

Die Bayerische Oberlandbahn (BOB) teilte mit, die Ursache des Unfalls sei noch unklar. Die Fahrzeuge seien ineinander verkeilt und teils entgleist. "Der Unfall ist ein Riesenschock für uns. Wir tun alles, um den Reisenden, Angehörigen und Mitarbeitern zu helfen", sagte Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn GmbH, die den Meridian betreibt.

Bahn-Chef Rüdiger Grube sprach den Verletzten und Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aus. "Wir sind tief bestürzt über den Unfall", sagte Grube in einer Mitteilung. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt war am Mittag an der Unglücksstelle eingetroffen, auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann war bei der Pressekonferenz anwesend. Er sagte bei einem Besuch in Nürnberg, er sei geschockt und entsetzt. Seines Wissens "gab es auf vorher auf dieser Strecke keine Störungen".

Wegen Faschingsferien weniger Pendler

In den Zügen sitzen morgens üblicherweise zahlreiche Pendler, von denen viele nach München fahren. Zum Glück seien am Unglückstag keine Schüler in den Zügen gewesen, sagte ein Polizeisprecher – in Bayern sind derzeit Faschingsferien. 

Für Angehörige wurde eine Notfallnummer eingerichtet: 0395-43084390. Auch die Bundespolizei Oberbayern hat eine Telefonhotline: 08031-2000.

Für Pendler wird es den ganzen Tag einen Ersatzverkehr mit Bussen geben. Der Blutspendedienst München spricht von einem akut hohen Bedarf an Blutspenden und hat einen entsprechenden Aufruf gestartet.

Fragen und Antworten zum Unglück lesen Sie hier