Die BBC hat nach Erkenntnissen einer internen Untersuchung den Missbrauchsskandal um ihren früheren Moderator Jimmy Savile begünstigt. Mehrere Mitarbeiter der Rundfunkanstalt hätten geschwiegen, obwohl sie über die Vorgänge Kenntnis gehabt hätten, schreibt die von der BBC mit der Untersuchung beauftragte frühere Richterin Janet Smith. Es habe eine Kultur der Ehrfurcht und Angst gegenüber BBC-Stars geherrscht. Bis heute herrsche ein "Klima der Angst" vor möglichen Enthüllungen.

Jimmy Savile war unter anderem wegen seiner Sendungen Top of the Pops und Jim'll fix it im britischen Fernsehen bekannt. Nach seinem Tod 2011 wurden zahlreiche Vorwürfe erhoben, wonach er seinen Ruhm ausnutzte, um systematisch Minderjährige sexuell zu missbrauchen. Opfer waren hauptsächlich Mädchen und junge Frauen.

Einem 2013 veröffentlichten Polizeibericht zufolge beging Savile in einem halben Jahrhundert mindestens 214 sexuelle Übergriffe. Der Moderator sei ein "umtriebiger Sexualverbrecher gewesen, der keine Gelegenheit ausließ, um verletzliche Opfer zu identifizieren und sie zu missbrauchen", hatte Peter Watt, Direktor der britischen Kinderschutzorganisation NSPCC, gesagt.

In der Folge hatte auch die BBC eine eigene Untersuchung in die Wege geleitet. Sie sollte vor allem klären, ob und in welchem Umfang Mitarbeiter des Senders über den Missbrauch informiert waren. Savile soll seine Opfer hauptsächlich auf dem BBC-Gelände oder bei Dreharbeiten für den Sender missbraucht haben.

In einer zentralen Frage entlastet Smith die BBC: Auch wenn einzelne Mitarbeiter von dem sexuellen Missbrauch gewusst hätten, seien die Übergriffe nie einem größeren Personenkreis bekannt geworden. Eine Vertuschung im großen Stil hat demnach also nicht stattgefunden.

Die BBC akzeptierte das Ergebnis der Untersuchung vollständig. "Heute entschuldigen wir uns. Wir haben euch im Stich gelassen, das wissen wir", sagte Indentant Tony Hall an die Opfer gewandt. Der Missbrauch durch Savile sei ein dunkles Kapitel. Als Reaktion will die Rundfunkanstalt zukünftig eng mit Kinderschutz-Experten zusammenarbeiten. Auch sollen neue Instrumente geschaffen werden, die es Mitarbeitern erleichtert, Fehlverhalten von Kollegen anzuzeigen.