Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung von Bewohnerinnen einer Flüchtlingsunterkunft in Köln beschäftigen die Polizei. Derzeit befragen Beamte Zeugen im Asylbewerberheim im Stadtteil Humboldt/Gremberg, wie die Behörde mitteilte. 

Hintergrund sind Beschwerden von Frauen, Mitarbeiter der Securityfirma hätten sie belästigt. Laut dem Kölner Stadt-Anzeiger hatten sie Frauen beim Duschen und Stillen fotografiert und gefilmt. Sie sollen zudem den Frauen aufgelauert haben und versucht haben, sie zum Geschlechtsverkehr zu überreden. Bisher haben die Ermittler der Polizei eine Frau gefunden, die etwas über eine sexuelle Belästigung sagt.

Die Unterkunft scheint ein Problemfall zu sein: In der Sporthalle einer Gemeinschaftsgrundschule sind 200 Menschen untergebracht. Die Feldbetten stehen wie in einer Notunterkunft ohne Sichtschutz eng nebeneinander. Was nicht sein müsste: In den Gängen liegt Müll. Die Menschen prangern an, dass sie mangelhaft ernährt werden, es gebe keine Übersetzer, kaum Hilfe bei gesundheitlichen Problemen, nur jeweils sechs Toiletten und zwei Duschen für Frauen und Männer. Hinzu kam nun der Vorwurf der sexuellen Belästigung.

Der Stadtanzeiger zitiert eine junge Syrerin so: "Mich hat ein Mann gefragt, ob ich mit ihm kommen würde, er würde gern mit mir zusammen sein." Sie lebe seit 40 Tagen in der Unterkunft, schreibt die Zeitung. "Als ich ihm sagte, dass ich liiert und nicht interessiert sei, hat er gesagt, dass ich dann bald hier rausflöge."

Gemeinsam mit anderen Flüchtlingen und Flüchtlingshelfern haben die Frauen nun offene Briefe an Vertreter des Bundesamts für Migration in Köln überreicht. Darin prangern sie die Missstände an. Sie fordern eine schnellere Abwicklung ihrer Asylanträge, eine Verbesserung der Zustände in der Turnhalle und eine sofortige Ablösung des Sicherheitsdienstes. Etwa 50 Demonstranten versammelten sich zum Protest. Stadtverwaltung und Flüchtlingsrat reagierten entsetzt auf die Schilderungen der Flüchtlinge.

Die Polizei hatte die Frauen laut dem Zeitungsbericht aufgefordert, Anzeige zu erstatten. Bis zum Mittwoch war das demnach nicht geschehen. Aufgrund der Informationen aus den Briefen leiteten die Beamten ein Ermittlungsverfahren ein

Das Sicherheitsunternehmen verwahrte sich gegen die Vorwürfe. "Ich bin entsetzt", sagte Bernhard Deschamps, Projektmanager der für den Sicherheitsdienst in der Turnhalle zuständigen Adler-Wache, "ich bin mir sicher, dass sie völlig haltlos sind".