Abbas A. kocht. Er hat die Kartoffeln in dicke Streifen geschnitten. Der junge Mann frittiert das Gemüse in einer verkrusteten Pfanne in reichlich Öl. "Das ist für morgen ein günstiges Mittagessen", sagt er. In Isernhagen, dem Dorf nahe Hannover, in dem er lebt, gebe es keine guten Imbisse.

Abbas A., 25 Jahre alt, Algerier, roter Pullover, Jeans, ist ein Terrorverdächtiger. Gut 450 Polizisten schwärmten am 4. Februar in Berlin, im nordrhein-westfälischen Attendorn und in Isernhagen aus. Ihr Ziel: vier Algerier, die "möglicherweise in Anschlagsplanungen in Berlin involviert" seien, wie es die Staatsanwaltschaft Berlin formulierte. Mutmaßlicher Auftraggeber der mutmaßlichen Terrorzelle: Der sogenannte "Islamische Staat" (IS).

Die Ermittlungen begannen, nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Ende 2015 einen entsprechenden Hinweis erhalten hatte. Am 10. Januar verdichteten sich die Informationen der Nachrichtendienstler – die Polizei schaltete sich ein und begann damit, die Verdächtigen zu überwachen. Die Terrorgefahr ist schließlich hoch, in ganz Europa, auch in Deutschland. Der IS hat mehrfach mit Blut und Bomben gedroht, hat angekündigt, seine Kader "seien längst da", unerkannt, in Wartestellung. Ist Abbas A. einer von ihnen?

"Auffällig und konspirativ verhalten"

Farid A., ein 34 Jahre alter Algerier, der mit Frau und zwei Kindern in einer Flüchtlingsunterkunft im sauerländischen Attendorn lebt, gilt den Behörden nach Informationen von ZEIT ONLINE als wahrscheinlicher Rädelsführer. Er soll als Kämpfer in Syrien gewesen sein, es gibt ein martialisches Foto, das ihn – wohl dort – inmitten von schweren Waffen zeigt. Im Dezember des vergangenen Jahres hatte sich Farid A. als Syrer ausgegeben und war als Flüchtling über die Balkanroute nach Deutschland gereist. Ein Modus Operandi, den auch einige der IS-Attentäter gewählt hatten, um für die Terroranschläge von Paris im November 2015 nach Europa zu gelangen.

In Berlin gerieten zwei weitere Algerier in den Fokus der Fahnder: Der eine ist Nordin F., ein 49-Jähriger, der wegen Urkundenfälschung mit Haftbefehl gesucht wurde. Er war den Behörden in Berlin seit dem Jahr 2000 bekannt, allerdings unter abweichenden Personalien. 2013 hatte er Deutschland verlassen und war 2014 zurückgekehrt – nach Auskunft der Berliner Staatsanwaltschaft mit falschen französischen Personalien. Der zweite ist Fayssal B., seit 2004 in Deutschland lebend. Er hat sich mindestens ein Mal mit Farid A. in Berlin getroffen.

Abbas A., der in der Küche seine Kartoffeln brutzelt, ist der vierte Verdächtige. In der Pressemitteilung der Berliner Staatsanwaltschaft heißt es, die Betroffenen hätten sich "sehr auffällig und konspirativ" verhalten. Über Abbas A. steht dort, ihm seien "Kontakte nach Belgien" nachgewiesen worden. Dabei geht es um einen Aufenthalt in der berüchtigten Islamistenhochburg Molenbeek – ein Ort, der Terrorfahnder immer nervös macht, denn der Brüsseler Vorort hat mehr als einen IS-Attentäter hervorgebracht. Um das Risiko eines Anschlags zu minimieren, griffen die Ermittler am 4. Februar zu. Wie meistens: Im Morgengrauen.

Abbas A. schildert den Zugriff so: Kurz nach fünf Uhr am Morgen hätten Polizeibeamte die gläserne Wohnungstür in der kleinen Flüchtlingsunterkunft aufgebrochen, Sekunden später habe ein hochgewachsener Polizist mit einem Laser auf ihn gezielt und auf Englisch gerufen: "You are under arrest!" Dann habe er mit gefesselten Händen und dem Knie eines Polizisten im Rücken auf dem klebrigen Boden der Küche gelegen.