Mehr als 130.000 Menschen, die im vergangenen Jahr als Asylsuchende registriert worden sind, haben ihre zuständige Aufnahmeeinrichtung nicht erreicht. Sie seien möglicherweise weitergereist oder untergetaucht, heiße es in einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Insgesamt seien im Jahr 2015 knapp 1,1 Millionen Flüchtlinge im sogenannten Easy-System erfasst worden. Wo sich rund 13 Prozent von ihnen aufhalten, sei unklar. Der Chef des Bundesamts für Migration (Bamf), Frank-Jürgen Weise, sagte, die Behörden würden den Namen und die Identität von bis zu 400.000 Flüchtlingen nicht kennen.

In seiner Antwort schreibt das Innenministerium den Angaben zufolge auch, dass 2015 weniger Flüchtlinge als zuvor auf andere Europäische Staaten verteilt worden seien. Die deutschen Behörden stellten im vergangenen Jahr bei jedem zehnten Bewerber die Anfrage an das jeweils zuständige EU-Land, diesen zurückzunehmen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2014 war dies noch bei jedem fünften Bewerber der Fall gewesen.

Das Dublin-System der EU legt fest, dass derjenige Mitgliedsstaat für einen Flüchtling verantwortlich ist, in dem dieser erstmals nachweislich den Boden der Europäischen Union betritt. In vielen Fällen sind dies Griechenland, Italien und Ungarn. Deutschland stellte 2015 insgesamt 45.000 sogenannte Übernahmeersuchen, davon wurden etwa 3.600 vollzogen. Andere EU-Staaten schickten 3.000 Asylsuchende in die Bundesrepublik. Somit sind weniger als 600 Menschen aus Deutschland dem Gesamtbetrag nach in den Rest der EU verteilt worden. Gemessen an 442.000 Asylanträgen im vergangenen Jahr sei dies eine Entlastung von 0,1 Prozent, heißt es in dem Bericht.