Flüchtlingskinder in Ingolstadt © Michaela Rehle/Reuters

Asylbewerber, egal in welcher Stadt sie leben, haben dieselben Ansprüche auf Unterkunft, Verpflegung und Gesundheitsfürsorge. Doch wie das umgesetzt wird, sieht in jeder Stadt ein bisschen anders aus – und in jeder Stadt gibt es andere Probleme.

Wir haben die vier größten deutschen Städte verglichen: Wie werden die Asylbewerber versorgt? Wie ist die Stimmung unter den freiwilligen Helfern? Und vor welcher Herausforderung stehen die Städte als nächstes?

Dabei werden ganz praktische Unterschiede deutlich: Städte wie Hamburg und Berlin haben die Gesundheitskarte eingeführt. In München und derzeit auch noch in Köln müssen Flüchtlinge erst einen Behandlungsschein beantragen, bevor sie zum Arzt gehen können.

Es geht aber auch um die Stimmung in der Stadt: In Köln gibt es seit den Übergriffen an Silvester weniger Spenden, gleichzeitig wird die Stadt noch sehr viel mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen als bisher. In Hamburg leben schon vergleichsweise viele Asylbewerber, hier sind auch viele Freiwillige nach wie vor aktiv. Teilweise wurden sie inzwischen sogar als Hauptamtliche eingestellt.

In Hamburg gab es vergangenes Jahr 15 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, in München keinen einzigen. Aber alle Städte stehen vor dem Problem, schnell neuen Wohnraum schaffen zu müssen.

Und noch etwas wird deutlich: Addiert man die Zahlen der vier größten deutschen Städten, handelt es sich um etwa 124.000 Flüchtlinge. Der Großteil der in Deutschland lebenden Flüchtlinge (geschätzt sind es eine Million) wohnt also in kleineren Städten oder auf dem Land. In den vier Städten entspricht die Zahl der Flüchtlinge nur einem bis zwei Prozent der Bevölkerung.

Köln

In Köln leben derzeit etwa 11.000 Flüchtlinge, was ungefähr einem Prozent der Stadtbevölkerung entspricht. Bald wird diese Zahl steigen. Denn laut Landesinnenministerium liegt Köln 30 Prozent unter seiner Zuteilungsquote. Auch andere Städte in Nordrhein-Westfalen haben zu wenige Flüchtlinge bekommen und werden künftig mehr Menschen aufnehmen müssen.

Berlin

Aktuell leben in Berlin etwa 44.000 Flüchtlinge in den Aufnahmeeinrichtungen der Stadt. Dazu kommen nach Auskunft der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales noch mal 13.000 Flüchtlinge, die in Wohnungen leben. Zusammen entspricht das 1,6 Prozent der knapp 3,5 Millionen Berliner. Täglich erreichen zwischen 200 und 300 neue Flüchtlinge die Hauptstadt. Im Monat Januar waren es insgesamt 7.347 Neuankömmlinge, nicht alle von ihnen bleiben jedoch in der Hauptstadt.

München

Rund 21.000 Flüchtlinge leben aktuell in München, das entspricht etwa 1,5 Prozent der 1,4 Millionen Einwohner. Im vergangenen Jahr kamen etwa 15.000 Asylbewerber neu in die Stadt und warten seitdem hier auf den Ausgang ihres Verfahrens. Dazu kommen 6.000 Flüchtlinge aus den Vorjahren, sagt die Stadt.

Hamburg

In Hamburg leben zurzeit etwa 35.000 Flüchtlinge. Das sind etwa 2 Prozent der 1,7 Millionen Einwohner. Als Stadtstaat ist Hamburg deutlich stärker belastet als Flächenstaaten, weil die Stadt nicht viel Platz hat, der Königsteiner Schlüssel die verfügbare Fläche bei der Verteilung von Flüchtlingen aber nicht berücksichtigt. Entlastungsmöglichkeiten gibt es bislang nicht. Verhandlungen beispielsweise mit Schleswig-Holstein haben bislang kein Ergebnis erbracht.

Flüchtlinge - „Natürlich wäre Beton am besten“ Auf der Messe Bautec in Berlin stehen seriell gefertigte Häuser im Mittelpunkt, denn bundesweit werden rund 400.000 neue Wohnungen benötigt, auch für Flüchtlinge. Doch die haben manchmal andere Wünsche als die Planer.