Arbeitsbedingungen in deutschen Unternehmen, Ruhigstellungen von Patienten in der Psychiatrie, Mangelernährung bei Krebspatienten und die Hintergründe der Finanzierung von Atomwaffen – das sind vier Themen aus den "Top 10 der vernachlässigten Nachrichten", die jetzt vorgestellt wurden. Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) und der Deutschlandfunk (DLF) präsentieren jährlich zehn Nachrichten oder Themen, die aus ihrer Sicht in den Medien zu kurz gekommen sind.

Die Themen werden von Lesern, Hörern, Zuschauern oder Organisationen vorgeschlagen und dann von studentischen Rechercheteams und Medienwissenschaftlern geprüft, ob sie sachlich richtig und für die Gesellschaft relevant sind. Eine Jury wählt dann die zehn wichtigsten Themen des Jahres aus und präsentiert sie zusammen mit dem DLF.

Die Diskussion um das Thema Lügenpresse habe bei den Einsendungen keine Rolle gespielt, betonte der Geschäftsführer von INA, der Kölner Medienwissenschaftler Hektor Haarkötter. Bei dieser Debatte gehe es doch vor allem um sehr subjektive Empfindungen darüber, welche Themen Medien angeblich unterdrücken. Mit empirisch belegter wissenschaftlicher Arbeit habe dies nichts zu tun, so Haarkötter. Zudem beschäftige sich die Initiative nicht mit vermeintlichen oder tatsächlichen faktischen Fehlern, sondern mit strukturellen Versäumnissen in den Medien.

Finanzierung von Atomwaffen

Auf den ersten Platz kam diesmal das Thema der Finanzierung von Atomwaffen. Dabei geht es um deutsche Finanzinstitute und deren enge Geschäftsbeziehungen zu Konzernen, die Atomwaffen entwickeln. Über entsprechende Studien, so die INA, sei kaum berichtet worden.

Auf den weiteren Plätzen folgten Themen wie die legale Frei-Haus-Belieferung mit K.-o.-Trop­fen, die weitere Förderung der Kernkraft trotz des beschlossenen Atomausstiegs, überhöhte Handyrechnungen durch Werbebanner und simulierte Videoüberwachungen.

Darüber hinaus, so die Initiative, werde kaum über Arbeitsbedingungen in deutschen Unternehmen berichtet. Während Umsatzzahlen, Börsenkurse oder neue Produkte in den Medien eine große Rolle spielten, gebe es nur selten Berichte aus der Arbeitswelt.

Ruhigstellung durch Psychopharmaka

Zu den vernachlässigten Themen zählt die INA außerdem die medikamentöse Ruhigstellung von Psychiatrie-Patienten durch sogenannte Betonspritzen. Diese würden auch gegen den Willen der Patienten häufig verabreicht und könnten schwere und lang andauernde Nebenwirkungen haben.

In deutschen Medien zu kurz kommen nach Ansicht der Initiative auch mehr als 50.000 Krebspatienten, die Jahr für Jahr an Mangelernährung sterben. Dennoch verfügten in Deutschland nur vier Prozent aller Krankenhäuser über ein Ernährungsteam. In anderen Ländern dagegen gehöre ein Screening auf Mangelernährung bei der Aufnahme ins Krankenhaus zur Pflichtuntersuchung.