Polizisten führen einen der verdächtigen Islamisten in Berlin-Kreuzberg ab © Fabrizio Bensch/Reuters

Die Polizei ist am Morgen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gegen mutmaßliche Anhänger des "Islamischen Staats" (IS) vorgegangen. Unter der Leitung des Berliner Landeskriminalamts durchsuchten allein in Berlin 450 Polizisten vier Wohnungen und zwei Betriebe. Dabei haben die Ermittler Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen sichergestellt; Sprengstoff oder Waffen wurden nicht gefunden. Die Razzien waren eng mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz und dem Bundeskriminalamt abgestimmt.

Die Ermittlungen richten sich nach Angaben der Berliner Polizei gegen vier Algerier, allesamt mutmaßliche Angehörige der islamistischen Szene, die im Verdacht stehen, eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat" in Deutschland oder im europäischen Ausland vorbereitet zu haben. Nähere Details zu den Hintergründen, etwa zum genauen Anschlagsort, gab es nicht. Aus Sicherheitskreisen hieß es lediglich, dass die Behörden keine konkreten Hinweise auf geplante Anschläge gegen Karnevalsumzüge haben. Die Ermittler wollten solch einen Zusammenhang aber auch nicht ausschließen.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurde der Hauptverdächtige, ein 35-jähriger Algerier, im nordrhein-westfälischen Attendorn zusammen mit seiner Frau festgenommen. Er hielt sich dort in einem Erstaufnahmeauflager für Flüchtlinge auf. Demnach war er im Herbst 2015 als Flüchtling über die sogenannte Balkanroute nach Deutschland eingereist und wurde in Bayern als Flüchtling registriert. Nach Informationen des Tagesspiegel hatte er sich mit einem gefälschten Pass als Syrer ausgegeben. Er gilt als Kopf der Gruppe. Nach ersten Hinweisen auf konkrete Anschlagspläne sei der Mann dann in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht worden. Nach Polizeiangaben wird er wegen Zugehörigkeit zur Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) auch von algerischen Behörden gesucht. Er soll in Syrien militärisch ausgebildet worden sein.

Bundesweite Razzien in Islamistenszene Die Ermittlungen richteten sich laut der Berliner Polizei gegen vier Personen aus der Dschihadisten-Szene. Es gehe um den Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Verbindungen in Brüsseler Vorort Molenbeek

Ein zweiter Algerier wurde im Berliner Stadtteil Kreuzberg festgesetzt. Zudem sucht die Polizei nach eigenen Angaben nach einem 31-Jährigen ebenfalls in Berlin und einem 26-Jährigen in Hannover. Letzterer soll nach Informationen aus Sicherheitskreisen Verbindungen zur belgischen Islamistenszene haben. Der Mann sei vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist, hieß es. Dort hatte auch der getötete mutmaßliche Drahtzieher der islamistischen Anschläge in Paris, Abdelhamid Abaaoud, gelebt.

Gegen die Männer wird bereits seit mehreren Wochen ermittelt. Den ersten Hinweis auf den Hauptverdächtigen erhielt die Polizei vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Bei den weiteren Ermittlungen seien Kontakte des Mannes zu Islamisten in Berlin und Hannover festgestellt worden. Um den Jahreswechsel herum hätten sich die Erkenntnisse dann verdichtet. Demnach wollte die Gruppe in Berlin zusammenkommen, um Attentate vorzubereiten.

Berlins Innensenator Frank Henkel erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe hoch. "Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein", hieß es seitens des CDU-Politikers. Ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene sei geboten – vor allem, wenn es um mögliche IS-Bezüge geht. "Bevor wir weitere Schlüsse ziehen können, müssen wir die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die Auswertung der sichergestellten Objekte abwarten."