Der Gründer des Enthüllungsportals WikiLeaks, Julian Assange, will sich den britischen Behörden stellen – wenn die Vereinten Nationen (UN) seine Beschwerde gegen Großbritannien und Schweden zurückweisen. Am Freitagmittag will die entsprechende UN-Arbeitsgruppe, die sich mit willkürlichen Inhaftierungen befasst, ihre Entscheidung darüber mitteilen.

Nach Informationen der BBC stellt sich das Gremium an die Seite des 44-Jährigen. In ihrer Stellungnahme spricht die UN Working Group on Arbitrary Detention in Genf demnach von einer "unrechtmäßigen Festsetzung" und folgt damit Assanges Argumentation, der im September 2014 eine entsprechende Beschwerde eingereicht hatte. Demnach hätten Schweden und Großbritannien ihn zur Schutzsuche gezwungen, sein Exil käme einer illegalen Inhaftierung gleich.

Die Informationen der BBC wurden aus Schweden bestätigt: Ein Sprecher des Außenministeriums sagte gegenüber AFP, die UN werde das Festsitzen Assanges am Freitag als illegal bewerten.  

Das Votum des UN-Gremiums ist allerdings rechtlich nicht bindend, sowohl die britische als auch die schwedische Gerichtsbarkeit können sich darüber hinwegsetzen. Die Polizei in London hatte bereits angekündigt, die ecuadorianische Botschaft auch weiterhin zu überwachen und Assange festzunehmen, sobald er das Gebäude verlassen sollte.

Assanges Anwalt hat die schwedischen Behörden aufgefordert, den Haftbefehl gegen den Wikileaks-Gründer nach der UN-Entscheidung fallenzulassen. Schweden habe gar keine andere Wahl, sagte Per Samuelsson. Dass sich die UN auf die Seite seines Mandanten stelle wertete Samuelsson als "Sieg für Assange".

Seit drei Jahren lebt Assange in der Botschaft

Am Morgen hatte Assange per Twitter seine weiteren Pläne mitgeteilt: Sollten die UN seinen Fall negativ beurteilen, würde er die Botschaft von Ecuador in London verlassen und eine Festnahme durch die Polizei akzeptieren. Sollte das UN-Gremium aber zu dem Schluss kommen, dass Schweden und Großbritannien illegal gehandelt hätten, fordere er umgehend seinen Reisepass zurück und einen Stopp weiterer Festnahmeversuche. Dann erwarte er die Einstellung seiner Verfahren.

Der Australier lebt seit drei Jahren in der Botschaft, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Dort wird gegen ihn wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung ermittelt.

Assange bestreitet die Anschuldigungen und bezeichnet sie als politisch motiviert. Er befürchtet, dass die schwedischen Behörden ihn vielmehr an die USA ausliefern wollen. Dort könnte er wegen der Veröffentlichung geheimer US-Dokumente durch WikiLeaks vor Gericht gestellt und zu lebenslanger Haft verurteilt werden.