Wegen des als Panzer dekorierten Wagens mit der Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr" bei einem Faschingsumzug in Bayern ist ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Ein Polizeisprecher in Ingolstadt sagte, dass bereits Anzeigen vorlägen. Der Panzer der Karnevalisten von Steinkirchen war keineswegs nur eine arglose Gaudi von ein paar "Buben". Das hatte der örtliche Zugleiter Konrad Moll nach dem ersten Shitstorm über den kriegerischen Motivwagen beteuert.

Der vermutlich politische Antrieb der selbst ernannten Ilmtaler Asylabwehr zeigte sich an der Vorderseite des Panzers mit dem Schild: "Asyl wir schaffen das???" Drei Männer im Bundeswehrfeldanzug posieren auf dem Geschützturm, ebenso zwei junge Frauen in Zivil. Inzwischen sind zahlreiche Strafanzeigen gegen die Gruppe eingegangen.

Laut dem Zugleiter war das Panzerimitat bereits 2015 beim "Gaudiwurm" zu sehen, ohne dass es Aufsehen erregt habe – "da hat sich jeder über das tolle Gefährt gefreut", sagte Moll dem Donaukurier. Damals allerdings rollte der Motivwagen noch ohne Kommentar zur Aufnahme oder Abwehr von Flüchtlingen. Moll wies Vorwürfe gegen die ihm persönlich bekannten Panzerfahrer zurück: "Die haben mit Rechtsradikalen nichts am Hut."

Die Panzer-Karnevalisten erklärten im Donaukurier ihre Idee, den Wagen zum diesjährigen Umzug mit "Ilmtaler Ayslabwehr" und "Asylpaket III" zu bepinseln: Der Panzer sei ein Protest gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik: "Wir können das so nicht schaffen", sagte einer von ihnen. "Ich will nicht, dass wir uns hier in Deutschland verändern müssen", sagte ein anderer, "mir gefällt es so, wie es ist". Die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Flüchtlingen seien zu groß.

Umgekehrt fehlt den Steinkirchner Karnevalisten ein wenig historische Sensibilität. Der Nachbau eines bei Waffennarren legendären Wehrmachtspanzers vom Typ Tiger, an dem das aus dem Zweite Weltkrieg bekannte Balkenkreuz prangt, rutschte beim Faschingszug unbeanstandet durch. Eine Satire auf die Formierung von Bürgerwehren oder auf Frauke Petrys Forderung nach Schusswaffengebrauch an der Grenze ist nicht erkennbar.

Zugleiter Konrad Moll berichtete im Donaukurier, der Panzer sei als letzter Faschingswagen zur Abnahme am Bauhof angekommen. Bedient hatten sich die Panzerbauer an einem historischen Vorbild: dem bei Waffennarren legendären Wehrmachtspanzer vom Typ Tiger versehen mit dem Balkenkreuz der Wehrmacht. Er habe noch mit zwei Streifenbeamten darüber diskutiert, sagte Moll. Letztlich sei man jedoch der Auffassung gewesen, dass durch die Aufschrift niemand beleidigt oder zu Gewalt aufgerufen werde – "und außerdem gibt es ja noch die Meinungsfreiheit". Die jungen Leute seien sich der Tragweite der Geschichte sicherlich nicht bewusst gewesen "und wir leider auch nicht". Im Nachhinein würde er den Panzer nicht mehr losfahren lassen. 

Es liefen auch Asylbewerber mit

Der örtliche Bürgermeister Reinhard Heinrich (CSU) stört sich grundsätzlich an dem Asylabwehr-Panzer: "Das geht gar nicht. So etwas ist natürlich nicht tolerierbar und auch nicht mit Fasching zu entschuldigen." Mit solchen Aktionen werde unnötig Öl ins Feuer gegossen: "noch dazu, weil wir in nächster Zeit eine ganze Reihe von Flüchtlingen in unserer Gemeinde erwarten." Der Vorfall werfe ein völlig falsches Licht auf die Willkommenskultur in der Gemeinde Reichertshausen, zu der Steinkirchen gehört.

Zugleiter Moll verwies darauf, dass doch auch eine Fußgruppe von Asylbewerbern am Zug teilgenommen habe: "Die habe ich extra ganz vorne platziert." Er finde es schade, dass der eigentlich gelungene Umzug durch den Vorfall in den Hintergrund gerückt wird. Im Oberilmtaler Carnevals Verein (OCV) gebe es keine rechtsradikalen Tendenzen unter den Mitgliedern.

Der OCV wird in seinem Gästebuch und auf seiner Facebook-Seite in Hunderten von Kommentaren harsch kritisiert. Ein User schreibt: "Ihr Faschingsverein ist der menschenverachtendste, abscheulichste Naziverein und hat wohl seit 1945 nichts mehr dazugelernt. Viel Spaß beim Staatsanwalt!" Ein anderer gibt folgenden Hinweis zu der aufgemalten Nummer: "Tiger +142 war von der SS. 2./ SS Panzerabteilung LSSAH. Leibstandarte A.H. Da kannte sich jemand aus, das war Absicht!"

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ermittelt nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Auch die Staatsanwaltschaft Meiningen befasst sich mit einer Strafanzeige; ein Karnevalswagen beim Umzug von Wasungen hatte einen "Balkan Express" mit Heuschrecken und der Warnung "Die Plage kommt" in Szene gesetzt. Es wird geprüft, ob der Verdacht einer Straftat wie Beleidigung oder Volksverhetzung vorliegt.

Verein distanziert sich vom "Abknall-Panzer"

Der Schauspieler und SPD-Stadtrat Florian Simbeck, der den Panzer fotografiert und auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte, begrüßte eine Erklärung des OCV Steinkirchen vom Sonntagabend: Der Veranstalter des Gaudiwurms habe sich "von dem schrecklichen Asylbewerber-Abknall-Panzer distanziert" und dies auch auf der Feier nach dem Umzug kundgetan. Simbeck schreibt auf Facebook: "Der Panzer war wohl auch im letzten Jahr schon mit dabei, jedoch ohne die menschenverachtende Aufschrift. Da kann es schon mal passieren, dass man das Fahrzeug ohne weiteres erneutes Hinsehen genehmigt."

Eine Panzervariante gab es auch beim Karneval im Landkreis Fulda zu sehen. Hier waren offenkundig syrische Flüchtlinge angesprochen: "Sie sollten kämpfen für ihr Land anstatt zu grabschen mit der Hand" stand auf einem grauen Motivwagen, der ein Panzerfahrzeug darstellte. Er trug immerhin nur das Eiserne Kreuz der Bundeswehr, nicht das Balkenkreuz der Wehrmacht.