Papst Franziskus erwägt wegen des Zika-Virus offenbar Ausnahmen vom katholischen Verbot künstlicher Verhütung. Auf dem Rückflug von Mexiko fragte eine Journalistin Franziskus, ob wegen des Infektionsrisikos für Babys eine Abtreibung oder Verhütung womöglich das kleinere Übel wäre. Dazu sagte der Papst, es gebe einen klaren moralischen Unterschied zwischen einer Abtreibung und der Verhütung einer Schwangerschaft. Abtreibungen schloss das katholische Kirchenoberhaupt kategorisch aus: "Es ist ein Verbrechen, es ist das absolut Böse." Verhütung sei hingegen "nichts absolut Böses" und in einigen Fällen sogar einleuchtend.

Franziskus erinnerte anschließend an eine Entscheidung von Papst Paul VI. in den 1960er Jahren. Dieser hatte Ordensfrauen im damaligen Belgisch-Kongo den Gebrauch von Verhütungsmitteln gestattet, um sich gegen unerwünschte Schwangerschaften zu schützen. Hintergrund war, dass Soldaten im Kongokrieg systematisch Frauen vergewaltigten. Nach katholischer Lehre ist der Gebrauch von Verhütungsmitteln eine Sünde. Paul VI. hatte dies 1968 in der Enzyklika Humanae Vitae festgelegt. 

Eine Ausnahmeregelung wie die von Paul VI. könne laut Franziskus offenbar auch im Fall des Zika-Virus angewendet werden. Das von Mücken übertragene Virus, das sich vor allem in Südamerika ausbreitet, steht im Verdacht, bei Babys Entwicklungsstörungen zu verursachen. Vor allem in Brasilien wurden zuletzt vermehrt Babys mit zu kleinen Köpfen geboren.

Wissenschaftlich erwiesen ist ein Zusammenhang noch nicht. Doch wird Frauen vorsorglich geraten, das Zika-Verbreitungsgebiet zu meiden. Einige Regierungen empfehlen, einen Kinderwunsch zu verschieben. Die Ausbreitung der Infektion hat unter anderem in Brasilien eine neue Abtreibungsdebatte entfacht.  

Franziskus hat sich in seiner Amtszeit seit 2013 weniger rigoros zur katholischen Sexualmoral geäußert als seine Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Im Falle von Zika drängte er jetzt die Wissenschaft zur Entwicklung eines Impfstoffs. "Daran muss gearbeitet werden", sagte er. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) können erste große Tests eines Impfstoffs aber wohl frühestens in eineinhalb Jahren beginnen. Die WHO hat wegen Zika einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.