Stunden nach dem Zugunglück in Bad Aibling ist unklar, warum die beiden Nahverkehrszüge aufeinanderprallten. Am Nachmittag starb ein weiterer Passagier im Krankenhaus. Insgesamt wurden damit bei dem Zusammenprall zehn Menschen getötet. Eine Person wird noch vermisst.

Aufschluss über die Ursache soll die Analyse der Blackbox liefern. Jeder Zug habe drei solcher Systeme, zwei seien bereits gefunden worden, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf einer Pressekonferenz. Mitarbeiter des Eisenbahnbundesamts seien vor Ort, um die Blackboxes zu untersuchen.

Zur Unglücksursache wollte sich Dobrindt nicht äußern. Man müsse klären, wo technisch oder menschlich die Ursache liege, sagte Dobrindt. Es handele sich um eine schreckliche Katastrophe. Ein Zug habe sich in den anderen hineingebohrt und ihn auseinandergerissen. "Das sind Bilder, die einen natürlich auch sehr stark emotional belasten."

Dobrindt war am Nachmittag an die Unglücksstelle gereist. Er zeigte sich erschüttert über die Szene: Man müsse davon ausgehen, dass die Züge "weitestgehend ungebremst aufeinandergeprallt" seien, sagte er. Auf der Strecke sei eine Geschwindigkeit von bis zu hundert Stundenkilometern möglich. Die Unfallstelle liegt auf einer eingleisigen Strecke zwischen Kolbermoor und Bad Aibling. Das Unglück ereignete sich in einer Kurve, die Lokführer konnten vor dem Aufprall daher keinen Sichtkontakt gehabt haben.

Die Rettungskräfte seien innerhalb weniger Minuten am Unfallort gewesen, sagte Dobrindt. Die Belastung sei sehr hoch, teils müssten die Einsatzkräfte von Kollegen abgelöst werden, einige von ihnen seien noch vor Ort betreut worden, sagte der Minister. Er dankte den rund 500 Rettungskräften für ihren schnellen und guten Einsatz.

Sicherheitssystem erst kürzlich überprüft

Eigentlich soll eine "Punktförmige Zugbeeinflussung" Unfälle wie bei Bad Aibling verhindern. Magnete im Gleisbett sind mit den Signalen an der Strecke verkabelt, ein Gerät im Zug empfängt von den Magneten Signale. Steht das Hauptsignal auf Rot, erhält der Lokführer über den Magneten einen Hinweis – er muss dann mit einer Taste bestätigen, dass er den bemerkt hat, sonst bremst die Technik im Triebwagen den Zug ab. 

Warum das System den Zusammenstoß nicht verhindert hat, ist derzeit offen. Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) war es auf der Strecke erst vor rund einer Woche technisch überprüft worden. Dabei habe es keine Probleme gegeben, sagte der Konzernbevollmächtigte der DB für Bayern, Klaus-Dieter Josel.

Zehn Tote, etwa 80 Verletzte

Die beiden Nahverkehrzüge des französischen Bahnbetreibers Meridian waren am Morgen bei Bad Aibling frontal zusammengeprallt. Die Bergungsarbeiten vor Ort dauern an. Unter den zehn Toten befinden sich die beiden Lokführer und zwei Zugbegleiter. 80 Menschen wurden verletzt, 17 von ihnen schwer. Alle Verletzten konnten am Morgen aus den Trümmern befreit und versorgt werden.

Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Hermann hätten sich die Züge fahrplanmäßig in dem Ort Kolbermoor begegnen sollen. "Warum es eine Abweichung vom Fahrplan gab, muss jetzt ermittelt werden", sagte er und dankte den Rettern für ihre professionelle Hilfe. "So tragisch das Unglück ist, so großartig ist die Hilfsbereitschaft all dieser Rettungskräfte."

Auf der eingleisigen Bahnlinie, die vor allem im regionalen Personenverkehr genutzt werde, habe es bisher keine Störungen gegeben, sagte Herrmann. In den vergangenen Jahrzehnten habe es zudem "massive Verbesserungen in der Zugsicherungstechnik" gegeben, so dass "was geltende Technik und geltende Vorschriften sind, ein solches Unglück, wo sich zwei gegenläufige Züge auf dem gleichen Gleis befinden, eigentlich nicht mehr vorkommen kann".