Papst Franziskus hat zum Auftakt seines Besuchs in Mexiko die dortige Kirche zu mehr sozialem Engagement aufgefordert. Das Land brauche keine Fürsten, sondern Botschafter des Herrn, sagte Franziskus in einer Rede vor mehr als 170 Bischöfen in der Kathedrale von Mexiko-Stadt. Die als sehr konservativ geltende mexikanische Kirche mahnte er: "Wenn ihr kämpfen müsst, dann kämpft." Franziskus rief die mexikanischen Bischöfe zu einem entschlosseneren Vorgehen gegen Drogenhandel und Gewalt auf.

Der Papst verglich das Drogenproblem mit Metastasen, die den Körper der Gesellschaft vernichteten. Angesichts dessen dürfe die Kirche nicht bei einfachen Verlautbarungen Zuflucht nehmen, sagte Franziskus. Das Problem erfordere "prophetischen Mut". Der Klerus dürfe die "moralische und antizivilisatorische Kampfansage, die der Drogenhandel für die mexikanische Gesellschaft, die Kirche mit inbegriffen, darstellt, nicht unterschätzen".

Zuvor hatte der Papst Politiker, Wirtschaftsvertreter und Diplomaten vor den Folgen von Korruption gewarnt. Das Streben nach Privilegien und persönlichen Vorteilen bereite in der Gesellschaft den Boden für Gewalt, Menschenhandel, Entführungen und Tod. Dies verursache Leiden und bremse die Entwicklung des Landes.

Protokoll erlaubt Besuch im Nationalpalast

Der Papst war am Samstag zu einem fünftägigen Besuch in Mexiko eingetroffen. Präsident Enrique Peña Nieto empfing Franziskus zu einem Höflichkeitsbesuch im Nationalpalast der Hauptstadt. Bei allen früheren Papstbesuchen waren die Empfänge wegen der streng laizistischen Verfassung des Landes protokollarisch niedriger eingestuft.

Auf Franziskus' Programm stehen unter anderem Besuche in Städten, die vom Drogenhandel geprägt sind, darunter Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA. Mexiko hat nach Brasilien die zweitgrößte katholische Gemeinde der Welt.