Bei einem schweren Erdbeben im Süden Taiwans sind mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 132 Menschen würden noch vermisst, teilte das Nothilfezentrum der stark betroffenen Stadt Tainan mit. Es gebe Hinweise, dass sich in einem Hochhaus noch mehr als 20 Überlebende aufhalten würden, sagte Bürgermeister Lai Ching Te. Allein unter den Trümmern dieses Gebäudes wurden 24 Tote entdeckt. Es würden aber auch immer noch Überlebende gefunden, teilten die Notfallbehörden mit.

Der 17-stöckige Komplex war am Samstagmorgen eingestürzt – er sei wie eine Ziehharmonika zusammengeklappt, sagten Augenzeugen. Darin waren offiziell 256 Menschen gemeldet. Deren Verbleib sei geklärt, es gebe jedoch Hinweise, dass mehr als 100 weitere Menschen in dem Haus lebten, die sich nicht registriert hätten. Viele von ihnen seien Studenten, hieß es von den Behörden. 

Der Einsturz des in den 1990er-Jahren errichteten Wohnkomplexes in Tainan schürte Fragen bezüglich der Qualität der Baumaterialien und Verarbeitung. Ein Vertreter der Stadt sprach von möglichen baulichen Problemen durch die Verwendung von minderwertigem Stahl und Zement. Insgesamt kollabierten in Tainan zehn Gebäude. Einige weitere waren vom Einsturz bedroht. In 168.000 Wohnungen fiel zwischenzeitlich der Strom aus.

Taiwans Präsident Ma Ying Jeou war am Samstag nach Tainan gereist und hatte dort ein Notfallzentrum und ein Krankenhaus besucht. Die designierte Präsidentin Tsai Ing Wen half dabei, die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Das Erdbeben der Stärke 6,4 ereignete sich am Samstagmorgen etwa 40 Kilometer südöstlich von Tainan.