Taliban-Kämpfer in Zentral-Afghanistan (Archivbild) © AFP/Getty Images

Talibankämpfer haben in Afghanistan einen zwölfjährigen Jungen erschossen, der eine Art Vorzeigefigur im Kampf gegen die islamistische Terrormiliz war. Der Junge hatte sich im vergangenen Sommer vorübergehend einer Gruppe von bewaffneten Kämpfern gegen die Taliban angeschlossen. Seine Ermordung, zu der sich die Taliban bekannten, wurde als Racheakt gewertet.

Zwei auf einem Motorrad fahrende Taliban schossen dem zwölfjährigen Wasil Ahmad zweimal in den Kopf, als der Junge auf dem Weg zur Schule war. Die Anti-Taliban-Miliz, in deren Reihen er gekämpft hatte, hatte Ahmad nach wenigen Monaten wieder verlassen, um die Schule besuchen zu können.

Der Junge aus der zentral-afghanischen Stadt Tarin Kut war im Sommer 2015 zu einer Art Symbolfigur von Pro-Regierungseinheiten im Kampf gegen die Taliban geworden. Fotos in sozialen Medien zeigten Ahmad, wie er mit Helm und in einer für ihn viel zu großen Uniform nach einem Sturmgewehr greift. "Keiner hat ihn dazu gezwungen, er wollte den Tod seines Vaters rächen", sagte jetzt Ahmads Onkel über das Engagement seines Neffen bei der Anti-Taliban-Miliz.

Das afghanische Gesetz verbietet den Einsatz von Kindersoldaten. Menschenrechtsorganisationen weisen jedoch seit Langem darauf hin, dass Kinder sowohl aufseiten der Taliban als auch in regierungsfreundlichen Milizen eingesetzt werden.

Menschenrechtler verurteilten den Mord. "Zwei Verbrechen sind hier geschehen: der Mord an sich, aber auch die Tatsache, dass der Junge überhaupt gekämpft hatte", sagte Patricia Gossman, eine Mitarbeiterin von Human Rights Watch in Afghanistan. "Die Taliban sind natürlich für den Tod von Wasil Ahmad verantwortlich, aber diejenigen, die dieses Kind mit Waffen ausgerüstet und ihn in den Kampf geschickt haben, sind genauso schuldig", sagte Gossman.