Türkei - Bombenanschlag in Ankaras Regierungsviertel Eine Autobombe hat während des abendlichen Berufsverkehrs mindestens 28 Menschen in den Tod gerissen, 61 weitere wurden verletzt. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hat seine Reise nach Brüssel abgesagt.

Bei einem Bombenanschlag auf einen Konvoi der Armee in der türkischen Hauptstadt Ankara sind nach offiziellen Angaben mindestens 28 Menschen getötet worden. Das Büro des Provinzgouverneurs teilte mit, 45 weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten. Ziel des Anschlags sei ein Konvoi von Bussen des Militärs gewesen. Vermutlich sei eine Autobombe detoniert. Bisher hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt.

Die Täter zündeten den Sprengsatz während des Berufsverkehrs etwa 300 Meter vom Hauptquartier der Streitkräfte im Regierungsviertel Çankaya entfernt. Feuer brach aus, Rauch stieg auf. Krankenwagen und Feuerwehren fuhren zum Anschlagsort. 

Der türkische Justizminister Bekir Bozdağ sprach von einem "Terrorangriff". Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Beileid aus. Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu sagte wegen des Bombenanschlags seinen Besuch beim EU-Gipfel in Brüssel ab, an dessen Rande auch die Flüchtlingskrise Thema sein sollte. Er wollte unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über mögliche Lösungen beraten. Die Gipfel-Organisatoren nahmen daraufhin das geplante Treffen von elf EU-Staaten mit den türkischen Vertretern komplett von der Agenda, wie die österreichische Regierung mitteilte.

UN-Generalsekretär verurteilt Anschlag

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, verurteilte die Tat. Er hoffe, dass die Verantwortlichen rasch zur Rechenschaft gezogen würden, sagte Ban in New York. "In dieser tragischen Zeit stehen die Vereinten Nationen den Menschen und der Regierung der Türkei solidarisch zur Seite." Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Beileid aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich entsetzt über den Anschlag und verurteilte ihn "auf das Schärfste". Sie drückte den Angehörigen der Toten und den Verletzten ihr Mitgefühl aus. Steinmeier sagte, er sei"erschüttert". Sollte sich bestätigen, dass es ein Terroranschlag war, "wäre das ein neuerlicher feiger Akt der Gewalt in der Türkei". Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem "schändlichen Attentat" und versicherte der Türkei seine Unterstützung. Auch die iranische Regierung sprach den Angehörigen der Opfer und der türkischen Regierung ihr Mitgefühl aus. "Dieser Anschlag hat erneut bewiesen, wie wichtig und notwendig der gemeinsame Kampf gegen die Terroristen sei", sagte ein Außenamtssprecher. 

Obwohl die Täter noch nicht bekannt sind, kündigte Präsident Recep Tayyip Erdoğan Vergeltung an. Die Türkei sei entschlossen, von ihrem "Recht auf Selbstverteidigung" Gebrauch zu machen, sagte er. Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus sprach von einem Angriff "auf unsere Nation". Die Türkei werde vor dem "Terror" nicht zurückweichen.

Die Sicherheitslage in dem Land ist fragil, weil das Land in jüngster Zeit mehrfach Ziel von Terroranschlägen war. Im Januar sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe der Blauen Moschee inmitten von Touristen in die Luft und tötete zehn Deutsche. In Ankara hatte es im Oktober einen verheerenden Anschlag auf eine Friedensdemonstration mit mehr als 100 Toten gegeben. Zuvor gab es im Juli 2015 in der Stadt Suruç an der syrischen Grenze ein Selbstmordattentat, das dem "Islamischen Staat" zugeschrieben wird. Dabei starben 34 Menschen.

Aber auch mit den Anhängern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) steht die türkische Regierung im Konflikt. Im Südosten des Landes geht die Armee hart gegen sie vor. Die kurdischen Rebellen verüben immer wieder Anschläge auf die türkischen Sicherheitskräfte.