Der Konflikt zwischen Taliban und Regierungstruppen in Afghanistan hat im vergangenen Jahr 11.002 Zivilisten getötet oder verletzt. Das geht aus dem Jahresbericht der United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA) hervor. Die Mission erhebt seit 2009 die Zahl der durch den Konflikt getöteten und verletzten Zivilisten – 2015 erreichte sie ihren Höchstwert. Die Zahl der Todesopfer im Vergleich zu 2014 ging um vier Prozent zurück. Inklusive Verletzter stieg die Zahl der Opfer jedoch um vier Prozent. Vor allem Frauen und Kinder geraten immer öfter zwischen die Fronten.

2015 war jedes vierte Opfer ein Kind und jedes zehnte Opfer eine Frau. Das bedeutet einen Anstieg um 14 beziehungsweise 37 Prozent. Einen starken Anstieg sahen die UN in 2015 auch bei gezielten Morden an Zivilisten, zum Beispiel an Gemeindeführern, Mullahs, Richtern oder Regierungsmitgliedern. "Das Leiden, das den Zivilisten zugefügt wird, ist völlig inakzeptabel", sagte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Nicholas Haysom. Er rief die Verantwortlichen auf, mehr zum Schutz der Zivilisten zu unternehmen und die Angriffe zu beenden.

Die UN machten die Taliban und andere Extremisten für 6.858 Fälle verantwortlich – 62 Prozent aller Opfer. 14 Prozent seien auf afghanische und 2 Prozent auf internationale Streitkräfte zurückzuführen. 17 Prozent der Opfer war keiner Konfliktpartei zuzuordnen. Mit 37 Prozent gehen die meisten der Fälle auf Kampfhandlungen am Boden zurück, 21 Prozent auf Autobomben oder Sprengstofffallen und 17 Prozent auf Selbstmordanschläge.

Fast 60.000 zivile Opfer seit 2009

Die Taliban waren nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen wiederholt in große Städte vorgedrungen. So eroberte die islamistische Rebellenbewegung im September kurzzeitig die nordafghanische Stadt Kundus. Die internationalen Truppen hatten Ende 2014 nach 13 Jahren ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendet und die Verantwortung für die Sicherheit den Afghanen übergeben.


Seit Beginn der Zählung ziviler Opfer 2009 hat die UN 58.736 Fälle verzeichnet – 21.323 Tote und 37.413 Verletzte. Sie zählt konservativ: Jedes Opfer muss durch drei Quellen bestätigt werden. Das wird zunehmend schwieriger, weil wegen der schlechten Sicherheitslage in den Provinzen viele UN-Büros geschlossen und Nichtregierungsorganisationen ihre Präsenz verkleinert haben. Experten nehmen an, dass es viel mehr undokumentierte Opfer gibt.