Nach erneuten schweren Vorwürfen gegen UN-Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) will die UN 120 Blauhelme aus dem Land abziehen. Es handele sich um Soldaten aus der Demokratischen Republik Kongo und Kongo-Brazzaville, teilte die UN-Mission Minusca mit. Aufgrund der Schwere der Vorwürfe habe man sich entschlossen, sofort zu handeln, hieß es.

Am Donnerstag hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtet, UN-Soldaten hätten in der nördlichen Stadt Bambari zwischen Oktober und Dezember acht Mädchen und Frauen vergewaltigt. Die Täter stammten alle aus den beiden Ländern des Kongo, hieß es. Ein ranghoher UN-Vertreter in New York hatte zuvor bereits 22 Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und der Ausbeutung durch UN-Soldaten in dem Krisenstaat bestätigt.

Im Januar waren außerdem Vorwürfe gegen europäische Soldaten in der ZAR bekannt geworden. Kinder im Alter von sieben bis 16 Jahren hätten berichtet, von französischen und georgischen UN-Angehörigen sexuell missbraucht worden zu sein, teilten die UN Ende vergangenen Monats mit. Entsprechende Aussagen von Zeugen seien "äußerst alarmierend", sagte der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein. Alle Vorwürfe bezögen sich auf das Jahr 2014, seien aber erst jetzt bekannt geworden, hieß es.

In der ZAR sind rund 10.000 Blauhelme stationiert. Das Land wird von einem schweren Konflikt erschüttert, seit muslimische Rebellen im Frühjahr 2013 den christlichen Präsidenten Francois Bozizé gestürzt hatten. Nach dem Putsch bekämpften sich Muslime und christliche Milizen.