Einen Tag schlimmsten Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren rechnet die Polizei nicht damit, noch weitere Toten in den Trümmern zu finden. "Es sieht momentan so aus, dass keine weiteren Todesopfer hinzukommen", sagte eine Polizeisprecherin. Es werde auch keine Person mehr vermisst. Am Morgen hatten Einsatzkräfte in Bad Aibling fälschlicherweise gemeldet, man habe eine elfte Leiche geborgen.

Im oberbayerischen Bad Aibling waren am Dienstag zwei Regionalzüge frontal zusammengestoßen. Zehn Menschen wurden getötet, darunter beide Lokführer. Etwa 80 Menschen wurden verletzt, davon 18 schwer.

Die Bergungsarbeiten waren in der Nacht unterbrochen worden und sollten bei Tagesanbruch fortgesetzt werden. Die eingleisige Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim ist weiterhin gesperrt. Der Schienenersatzverkehr habe sich inzwischen "eingetaktet", teilte die Bayerische Oberlandbahn mit.

Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Suche nach der genauen Unglücksursache. Es gibt Hinweise, dass die Tragödie durch menschliches Versagen ausgelöst worden war. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus zuverlässiger Quelle.

Mit schwerem Gerät soll am Mittwoch damit begonnen werden, die Zugwracks zu entfernen. Die Rettungs- und Bergungsarbeiten gestalteten sich extrem schwierig, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt.

Rund 700 Rettungskräfte kümmerten sich um die Verletzten. Zum Teil zogen die überwiegend ehrenamtlichen Helfer die Opfer auch in Bergungssäcken mit Winden an den Hubschraubern hoch und flogen sie an das andere Ufer der Mangfall.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wollte am Mittwoch die Unglücksstelle besuchen und mit den Rettungskräften sprechen. Wegen des Unglücks hatten sich die Parteien entschieden, auf den Politischen Aschermittwoch in Bayern zu verzichten.

Zugunglück Oberbayern - Reaktionen auf das Zugunglück Die Zahl der Toten infolge des Zugunglücks in Bad Aibling steigt weiter an. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kam zum Unglücksort und sprach von einer "schweren Stunde in der Geschichte des Zugverkehrs in Deutschland".