Bad Aibling - Staatsanwalt macht Fahrdienstleiter für Zugunglück verantwortlich Das Zugunglück im bayerischen Bad Aibling geht aus Sicht der Staatsanwaltschaft auf den Fahrdienstleiter im Stellwerk zurück.

Das Zugunglück von Bad Aibling mit elf Toten und mehr als 80 Verletzten geht nach Angaben der Ermittler auf menschliches Versagen zurück. Gegen den Fahrdienstleiter sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese in einer Pressekonferenz. Der Mann habe am gestrigen Montag sein Schweigen gebrochen und sei mehrere Stunden lang vernommen worden. "Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen", sagte Giese.

"Es wurde ein Sondersignal gegeben, das nicht hätte gegeben werden dürfen", sagte der Staatsanwalt. Nachdem der Fahrdienstleiter seinen Fehler bemerkte, setzte er einen Notruf ab, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. "Aber der ging ins Leere." Insgesamt seien zwei Notrufe abgegeben worden – allerdings zu spät, um eine Kollision der Züge noch zu verhindern. Nach Angaben der Ermittler muss noch geklärt werden, wer wann noch die Möglichkeit hätte, das Unglück zu verhindern.

Details aus der Vernehmung des Mannes wollten die Ermittler nicht nennen. Das Zugunglück sei aber nicht vorsätzlich herbeigeführt worden, sagte Giese. Es werde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Es gehe nicht um eine vorsätzliche Tat und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren, sagte Giese.

Fahrdienstleiter hält sich an einem sicheren Ort auf

Nach Angaben der Ermittler ist der Fahrdienstleiter 39 Jahre alt und hat mehrjährige Berufserfahrung. Er habe seinen Dienst am Stellwerk am vergangenen Dienstag um 5 Uhr begonnen, auch sei er nüchtern gewesen. "Es gibt keine Hinweise auf Alkohol", sagte Rosenheims Polizeipräsident Robert Kopp. Derzeit halte sich der Fahrdienstleiter – in Absprache mit seinen Anwälten – an einem sicheren Ort auf, der der Staatsanwaltschaft bekannt ist, sagte Staatsanwalt Giese. "Ihm geht es nicht gut", sagte Branz.

Die beiden Nahverkehrszüge waren am Dienstag vor einer Woche auf einer eingleisigen Strecke bei Bad Aibling frontal zusammengeprallt. Elf Menschen starben, mehr als 80 wurden verletzt. Es handelte sich um zwei Züge des zwischen Holzkirchen und Rosenheim verkehrenden privat betriebenen Meridian. Von Anfang an war vermutet worden, dass ein menschlicher Fehler Grund für das Unglück war.

Am Unfallort wurden drei Blackboxes gefunden, die vom Eisenbahnbundesamt und den Strafvollzugsbehörden untersucht wurden. Ähnlich wie Flugzeuge haben auch Eisenbahnzüge einen Fahrtenschreiber, mithilfe dessen der Fahrtverlauf rekonstruiert werden kann. Dazu gehören die gefahrene Wegstrecke, Geschwindigkeit und die Geschwindigkeitsentwicklung – also wann ein Zug beispielsweise beschleunigt oder gebremst hat. Darüber hinaus zeichnen die Geräte die Steueraktivitäten des Lokführers auf und die Eingriffe des automatischen Zugsteuerungssystems.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte bereits am gestrigen Montag gesagt, dass es keine Hinweise auf technisches Versagen gebe. "Tatsache ist, dass nach den Daten, die wir haben, ein technischer Fehler nicht vorgelegen hat." Noch diese Woche solle es Kontrollfahrten geben, um zu überprüfen, ob die von den Fahrtenschreibern aufgezeichneten Daten validierbar sind, sagte Dobrindt. Dies kann wohl frühestens am Donnerstag geschehen. Dann soll nach den Planungen der Deutschen Bahn (DB) das Gleis wieder normal befahren werden können. Für Mittwoch ist der Abtransport eines noch immer neben dem Gleis stehenden Unglückswaggons geplant. Erst danach wird die Oberleitung wieder montiert, die für die Bergungsarbeiten abgebaut worden war.

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