Die Polizei hat nach ersten Vernehmungen im Zusammenhang mit dem Zugunglück von Bad Aibling keinen dringenden Verdacht gegen den Fahrdienstleiter. "Wir wehren uns vehement gegen dieses Gerücht", teilte ein Sprecher der Polizei am Unglücksort mit. Die Nachrichtenagentur dpa hatte aus "sicherer Quelle" berichtet, dass die Behörden menschliches Versagen als Ursache des Unfalls ermittelt hätten. Die Agentur Reuters schrieb unter Berufung auf einen mit den Ermittlungen betrauten Hinweisgeber: "Die Untersuchungen gehen in Richtung des Fahrdienstleiters." Das Redaktionsnetzwerk Deutschland meldete unter Berufung auf Ermittlerkreise, "die Fehlentscheidung eines Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling" hätte den Zusammenstoß verursacht.

Nichts davon wollte die Polizei am Mittwoch bestätigen. Zwar könne ein Fehler oder Vergehen des Diensthabenden nicht ausgeschlossen werden, doch stünden die Ermittlungen noch am Anfang. Der Fahrdienstleiter sei bereits unmittelbar nach dem Zusammenstoß am Dienstag befragt worden. Daraus habe sich "noch kein dringender Tatverdacht" ergeben, teilte die Polizei mit.

Derzeit ermitteln die Beamten auch im Stellwerk von Bad Aibling. Eine 50-köpfige Sonderkommission der Kriminalpolizei arbeitet laut dem bayerischen Innenministerium an dem Fall.

Inzwischen stehe die Identität von neun der zehn Opfer fest. Dabei handele es sich ausschließlich um Männer im Alter von 24 bis 60 Jahren, teilte die Polizei mit. Sie alle stammten aus der Region. Unter ihnen seien auch die zwei Lokführer sowie ein Lehrlokführer, der routinemäßig einen der beiden Männer auf seiner Fahrt begleitete.