Efrah Abdullahi Ahmed aus Somalia schaut aus der Küche der Asylunterkunft in Vossberg, um nach ihrer Tochter zu sehen. © Sean Gallup/Getty Images

Mehr als eine Million Flüchtlinge sollen im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen sein – diese Zahl wird immer wieder kolportiert. Doch es gibt Zweifel an dieser Angabe, wie die taz in ihrer Wochenendausgabe berichtet. Die Zahl der in der Bundesrepublik lebenden Flüchtlinge sei 2015 weniger stark gestiegen als angenommen. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei im Bundestag.

Richtig ist zwar, dass zum Jahresende 1,25 Millionen Menschen als Flüchtlinge in Deutschland lebten. Allerdings gab es schon ein Jahr davor 627.000 Menschen mit diesem Status. Damit wäre die Zahl der Geflüchteten 2015 also nur um 600.000 und nicht etwa um über eine Million gestiegen.

Woher kommt diese Zahl? Sie bezieht sich auf die Easy-Registrierung (Erstverteilung für Asylbewerber): Darin werden alle Flüchtlinge gezählt, die die Grenze überschritten haben. Demnach kamen im vergangenen Jahr 1,1 Millionen Menschen nach Deutschland. Doch ob sie auch hier blieben, darüber sagt diese Zahl nichts aus.

Fakt ist: Von den insgesamt 1,25 Millionen in Deutschland lebenden Flüchtlingen waren zum Jahresende 950.000 Menschen entweder asylberechtigt, hatten bereits ein laufendes Asylverfahren oder einen Duldungsstatus. 300.000 weitere hatten noch keinen Asylantrag gestellt – auch weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit der Bearbeitung der Anträge zeitweilig nicht hinterherkam.

Die Gründe für die verschiedenen Zahlen könnten mit der unzureichenden Registrierung einerseits und der Weiterreise von Flüchtlingen andererseits zu tun haben: Laut Bamf seien viele Geflüchtete, die an der Grenze registriert wurden, in andere Länder weitergereist. Daher haben sie auch keinen Asylantrag gestellt. In Schweden kamen 2015 beispielsweise etwa 160.000 Asylsuchende an. Die meisten von ihnen dürften Deutschland durchquert haben. Andere seien in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt, wieder andere wurden bereits wieder abgeschoben, wenige eingebürgert und viele wiederum schlicht doppelt erfasst worden.

Nur jeder Zweite bekommt Asyl

Auffällig ist jedoch, dass die Zahl der Antragsteller, die einen Flüchtlingsstatus nach der Genfer Konvention erhielten, von 109.000 Ende 2014 auf 211.000 Ende des vergangenen Jahres stieg. Nach Angaben des Bamf erhielten 2014 etwa 25 Prozent der Antragsteller Asyl oder einen Flüchtlingsstatus, 2015 waren es 48 Prozent. Von den 350.000 laufenden Asylverfahren zum Jahresende 2015 dürften also weniger als die Hälfte der Antragsteller auch Asyl bekommen und in Deutschland bleiben. Auch das zeigt: Die Zahl der hier bleibenden Flüchtlinge ist geringer als angenommen.

Unterdessen zeigt auch die restriktive Grenzpolitik der EU-Länder Wirkung. Es kommen kaum noch Flüchtlinge nach Deutschland. Erst kürzlich hatten sich die Europäische Union und die Türkei auf ein Grundgerüst zur Lösung der Flüchtlingskrise geeinigt: Die Türkei soll illegale Migration in Richtung Griechenland stoppen. Die EU will Flüchtlinge aus der Türkei übernehmen. Ende kommender Woche ist ein erneuter EU-Gipfel geplant.