Die Kritik an den belgischen Behörden und ihrem Vorgehen im Anti-Terror-Kampf reißt nicht ab: Nach Angaben der niederländischen Regierung wurden die Ermittler eine Woche vor den Terroranschlägen in Brüssel über das Gefährdungspotenzial der Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui informiert.

Justizminister Ard van der Steuer sagte, die US-Bundespolizei FBI habe Erkenntnisse über die späteren Attentäter am 16. März an die Niederlande weitergereicht. Bei einer niederländisch-belgischen Polizeibesprechung am 17. März sei über die Brüder gesprochen worden. "Über das radikale Vorleben der beiden Männer ist diskutiert worden", sagte der Minister am Dienstag im Parlament. Ibrahim el Bakraoui habe seit dem 25. September 2015 auf einer Überwachungsliste des FBI-Zentrums für Terrorismus-Fahndung gestanden.

Die belgische Bundespolizei bestritt die Angaben aus Den Haag. Bei dem Treffen am 17. März sei es nicht um die Bakraoui-Brüder gegangen, sondern um eine Razzia in Brüssel vom 15. März, bei der ein algerischer Extremist festgenommen worden sei.

Zuvor hatte schon die Türkei den belgischen Behörden vorgeworfen, sie hätten Informationen darüber ignoriert, dass Ibrahim El Bakraoui das Profil eines "terroristischen Kämpfers" habe. Er war im Juni von den türkischen Sicherheitskräften festgenommen und in die Niederlande abgeschoben worden. Es ist unklar, wie lange er sich in der Niederlanden aufhielt, bevor er nach Belgien zurückkehrte, wo er sich am 22. März am Flughafen Brüssel-Zaventem in die Luft sprengte.

Während sich der Bürgermeister von Brüssel selbstkritisch zeigt und Fehler bei der Ermittlungsarbeit eingeräumt hat, fordert der belgische Justizminister ein Ende der Schuldzuweisungen. "Jetzt ist nicht die Zeit, einander zu bekämpfen", sagte Koen Geens. Es sei vielmehr Zeit für ein gemeinsames Vorgehen: "Soweit ich weiß, sitzt der Feind in Syrien."

Auch sind die belgischen Ermittler noch immer auf der Suche nach den Hintermännern der Attentate. Seit mehr als einer Woche fahnden die Behörden nach dem Mann mit Hut, der am Brüsseler Flughafen von einer Überwachungskamera gefilmt wurde.

FBI hilft belgischen Ermittlern

Die FBI unterstützt die belgische Polizei bei ihrer Arbeit. Die US-Bundespolizei untersuche derzeit Laptops, die in Verbindung mit den Attentätern stünden, hieß es am Dienstag aus US-Regierungskreisen. Die Computer seien von der belgischen Polizei zur Verfügung gestellt worden und am Freitag in den USA angekommen. Es sei bislang aber noch nicht bekannt, ob die Ermittler bereits Daten auswerten konnten.

Am Samstag hatte US-Präsident Barack Obama gesagt, FBI-Agenten seien vor Ort in Brüssel, um ihren Kollegen zu helfen. Nach Einschätzung von US-Experten sind die belgischen Sicherheitskräfte überbeansprucht und haben mit einer Reihe von kulturellen, finanziellen und politischen Problemen zu kämpfen, wie der Sprachbarriere zwischen flämischen und französischsprachigen Ermittlern.