Die Polizei in Italien hat einen in Belgien gesuchten Mann mit möglichen Verbindungen zu den Attentätern von Brüssel und Paris festgenommen. Der aus Algerien stammende Verdächtige sei in der süditalienischen Stadt Salerno festgesetzt worden, teilte die Polizei über Twitter mit. Demnach soll er die illegale Einreise von Migranten im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen vom 13. November ermöglicht haben. Die Behörden gehen davon aus, dass der Terrorakt mit 130 Toten sowie die jüngsten Anschläge in Brüssel mit 31 Toten von Belgien aus ausgeheckt wurden.

Demnach soll die Passfälscher-Bande auch Dokumente produziert haben, die von den Attentätern der Anschläge in Brüssel am vergangenen Dienstag und in Paris im November genutzt wurden. Der Name des Algeriers sei erstmals im Jahr 2015 bei Durchsuchungen in Brüssel aufgetaucht, berichtete Ansa. Demzufolge sollen mindestens einer der Attentäter in Brüssel, einer der Angreifer von Paris sowie der inzwischen festgenommene Terrorverdächtige Salah Abdeslam von der Bande gefälschte Papiere genutzt haben.

Nach den Anschlägen in Brüssel vom 22. März, bei denen mindestens 31 Menschen getötet wurden, gab es in den vergangenen Tagen Festnahmen in Brüssel, in Paris sowie in Düsseldorf und Gießen

Insgesamt sollen die europäische Sicherheitsbehörden laut Welt am Sonntag nach mindestens acht mutmaßlichen Terrorhelfern oder Unterstützern fahnden. Dies berichtet die Zeitung Welt am Sonntag und beruft sich auf Sicherheitskreise. Demnach sollen sich die Islamisten, mehrheitlich Franzosen und Belgier, entweder in Syrien aufhalten oder irgendwo in Europa auf der Flucht sein. Die gesuchten Extremisten zählten zu den Kontaktpersonen des mutmaßlichen Chef-Logistikers der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, und des in Belgien gefassten Terrorhelfers Salah Abdeslam. An der Fahndung sei in Deutschland unter anderem das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt.

Mutmaßlicher Chef der europäischen IS-Zelle in Brüssel erschossen

Nach Ermittlungsergebnissen aus Frankreich und Belgien soll der mutmaßliche Kopf der europäischen Terrorzellen des IS der Algerier Mohamed Belkaid gewesen sein, der bei einer Polizeiaktion in Belgien erschossen wurde. Er soll gemeinsam mit Najim Laachraoui, einem Bombenbauer und späteren Brüssel-Attentäter, die Terrorkommandos bei den Pariser Attentaten von Belgien aus per Telefon angeleitet und koordiniert haben.

Bereits 2015 sollen zwei Dschihadisten in Frankreich vor den IS-Anschlagsplanungen gewarnt haben, wie aus Verhörprotokollen von Réda Hame und Nicolas Moreau aus dem Juni und August 2015 hervorgehe. Die beiden Islamisten seien in Syrien vom IS ausgebildet worden und anschließend nach Frankreich zurückgekehrt. Im Verhör des französischen Inlandsgeheimdienstes DGSI warnten sie demnach davor, dass große Terroranschläge in Europa bevorstünden. "Dort (in Syrien) gibt es eine regelrechte Fabrik und sie versuchen in Frankreich oder Europa zuzuschlagen", soll Hame am 13. August 2015 gesagt haben.

Steinmeier plant große Antiterrorismus-Konferenz in Berlin

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kündigte eine große Antiterrorismuskonferenz für den Sommer in Berlin an. Dabei solle es vor allem um Prävention von Extremismus unter jungen Menschen gehen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Deutschland führt derzeit den Vorsitz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Steinmeier würdigte auch die Rolle Russlands im Syrien-Konflikt. "Die Waffenruhe, die Gewährung humanitärer Zugänge, der Beginn der Friedensgespräche in Genf – all das wäre ohne eine konstruktive Einbindung Russlands nicht realisierbar gewesen", sagte der SPD-Politiker. Die OSZE sei ein Forum, um weitere gemeinsame Schritte zum Kampf gegen Terrorismus auch mit Russland abzustimmen.

Der Außenminister nannte die Waffenruhe in Syrien, die nun seit über vier Wochen weitgehend hält, den vielleicht wichtigsten Schlag gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). "Regierungstruppen und Opposition reiben sich zumindest für den Moment nicht gegenseitig auf, sondern können ihre Kräfte auf den Kampf gegen IS und die Brutstätte des Terrors konzentrieren." Und zum ersten Mal nach fünf Jahren Krieg bestehe Hoffnung, einen Konflikt zu entschärfen, der den Terrorbanden täglich neue Nahrung gegeben habe.