In vielen Bundesländern stehen Erstaufnahmeeinrichtungen und Notunterkünfte für Flüchtlinge zu großen Teilen leer. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Welt am Sonntag. In Ostdeutschland ist der Leerstand am größten. Gerade einmal 18,5 Prozent der Plätze in Ersteinrichtungen sind in Thüringen vergeben, so wenig wie sonst in keinem anderen Bundesland. Danach folgt Sachsen mit 20 Prozent und Brandenburg mit etwa 44 Prozent Belegung in ihren Unterkünften. Gemeinden nutzen viele Turnhallen, in denen Flüchtlinge zunächst untergebracht worden waren, wieder für den Sportbetrieb. Im Gegensatz dazu haben die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin weiterhin große Schwierigkeiten, genug Plätze für Flüchtlinge zu stellen.

Lokale Medien hatten bereits von der Unterbelegung der Notunterkünfte in einigen Regionen Deutschlands berichtet. Das Göttinger Tageblatt schrieb, in Niedersachsen gebe es rund 5.000 unbelegte Plätze in Flüchtlingsunterkünften. In Niedersachsen seien insgesamt 81 Prozent der 28.300 verfügbaren Plätze für Flüchtlinge belegt. Derzeit erreichen sehr viel weniger Flüchtlinge Deutschland als noch in den vergangenen Monaten. Die Bundespolizei registrierte bundesweit vom 14. bis 16. März pro Tag jeweils 100, 83 und 78 Einwanderer, sagte ein Sprecher der Behörde ZEIT ONLINE. In den Monaten zuvor waren die Zahlen deutlich höher. Vom 14. bis zum 16. Februar zählte die Bundespolizei jeweils 2.723, 2.042 und 797 Menschen. Seit Mitte des vergangenen Monats seien die Zahlen dann dauerhaft im dreistelligen Bereich geblieben. Im Januar noch kamen fast täglich mehr als 1.000 Menschen.

Flüchtlingslager auf griechischen Inseln sollen geräumt werden

Seit einige Staaten entlang der Balkanroute ihre Grenzen geschlossen haben, kommen weniger Flüchtlinge ins geografische Zentrum von Europa. Die Schließung der mazedonischen Grenze zu Griechenland hat dazu geführt, dass rund 47.000 Flüchtlinge in Griechenland festsitzen. Griechenland ist für viele Flüchtlinge die erste Station in Europa. Sie kommen aus der Türkei über das Mittelmeer und erreichen zu Tausenden die griechischen Inseln. Täglich bringen Schiffe Hunderte Flüchtlinge von den griechischen Inseln auf das Festland.

Die Flüchtlingslager auf den griechischen Mittelmeerinseln sollen in den kommenden Tagen geräumt werden. Rund 6.000 Menschen sollen aufs Festland gebracht werden. Dort sollen sie registriert werden und einen Asylantrag stellen. Diese Maßnahmen sind Teil des Abkommens zwischen der Türkei und der EU. Ziel ist es, die Anzahl der Flüchtlinge, die nach Europa kommen, zu senken. Auch soll gewährleistet werden, dass sich Flüchtlinge nicht mehr in die Hände von Schleusern begeben. Fliehende Menschen, die ohne Erlaubnis Griechenland erreichen, sollen zunächst zurück in die Türkei geschickt werden. Im Gegenzug soll für jeden zurückgewiesenen Menschen aus dem Kriegsland Syrien ein anderer legal nach Europa einreisen dürfen. 

In Deutschland entspannt sich zwar die Lage in den Notunterkünften, doch die die Unterbringung anerkannter Flüchtlinge in regulären Wohnungen ist ein Problem. 75 Prozent der Landkreise und Kommunen mangelt es an geeignetem Wohnraum. Das zeigt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung. In ländlichen Regionen gelingt es demnach besser, Flüchtlinge und Familien dezentral und familiengerecht unterzubringen. 349 kommunale Verantwortungsträger in allen 16 Bundesländern wurden befragt. Die Hälfte bedauerte, aufgrund des aktuellen Arbeitsaufkommens zu wenig Zeit für die Entwicklung von mittel- und langfristigen Strukturen zu haben.