Griechenland hat mehreren Berichten zufolge damit begonnen, Flüchtlinge von den Inseln aufs Festland zu bringen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet unter Berufung auf Quellen der EU-Kommission, die griechische Armee habe mit der Räumung der Inseln begonnen. Demnach sollen 6.000 Flüchtlinge mit Fähren zu den Hotspots auf dem Festland gebracht werden.

Mehrere Journalisten und Aktivisten vor Ort berichteten ebenfalls von Räumungen und Vorbereitungsmaßnahmen. Der Journalist Jaafar Abdul Karim zum Beispiel twitterte, dass unter anderem das Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos binnen 48 Stunden evakuiert werde. Die Geflüchteten sollen zu dem Hotspot Kavala im Norden Griechenlands gebracht werden.

Hintergrund des Vorgehens ist das Abkommen zwischen der EU und der Türkei, das am Sonntag in Kraft tritt. Ab Mitternacht müssen alle Menschen zurück in die Türkei, die auf irregulärem Weg über die Ägäis die griechischen Inseln erreicht haben – sofern ihnen kein Recht auf Asyl in der EU zuerkannt wird. Für die Zeit der Asylprüfung sollen die Flüchtlinge auf den Inseln bleiben können. In einem Brief an die EU-Kommission, der der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vorliegt,verpflichten sich Deutschland und Frankreich 400 Polizeibeamte und 200 Asylfachleute nach Griechenland zu senden. Die Polizisten sollen bei der Rückführung in die Türkei helfen, die Asylfachleute, Asylanträge bearbeiten.

Das Ziel gilt als extrem ehrgeizig. Bisher hinkt Griechenland beim Ausbau der Hotspots und der Registrierung der Flüchtlinge deutlich hinter den Anforderungen der EU hinterher. Kritiker fürchten zudem, dass durch die Vereinbarung das Asylrecht ausgehebelt wird.

Laut FAS sei die Räumung eine Maßnahme, um Platz für die Neuankömmlinge zu schaffen. Derzeit kommen wieder mehr Flüchtlinge auf den Inseln an, berichtet das ZDF unter Verweis auf den griechischen Krisenstab. In den vergangenen 24 Stunden setzten demnach 1.498 Flüchtlinge von der Türkei auf die griechischen Inseln über – mehr als doppelt so viele wie am Vortag. Viele versuchen noch im letzten Moment, bevor das EU-Türkei-Abkommen wirksam wird, das Meer zu überqueren.

Insgesamt befinden sich aktuell rund 47.500 registrierte Flüchtlinge in Griechenland. Allein vergangene Woche waren nach UN-Angaben 9.515 Flüchtlinge auf den griechischen Inseln angekommen.