Germanwings-Absturz - Arzt empfahl Piloten Einweisung in die Psychiatrie Das sagten die Ermittler der französischen Luftfahrtbehörde bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts.

Knapp ein Jahr nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in Frankreich hat die französische Flugunfallbehörde BEA ihren Abschlussbericht zu der Katastrophe vorgelegt. Die BEA spricht sich darin für strengere medizinische Kontrollen für Piloten aus. Es müsse regelmäßig geprüft werden, ob Piloten insbesondere aus "psychologischen oder psychiatrischen Gründen" nicht in der Lage seien, ein Flugzeug zu steuern, heißt es in dem am Sonntag vorgestellten Abschlussbericht. Eine entsprechende Empfehlung sei an die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) und an die EU-Mitgliedsstaaten gegangen. 

Damit sollten Gesundheitsdienstleister aufgefordert werden, die entsprechenden Behörden zu informieren. Bisher sei die ärztliche Schweigepflicht von Land zu Land unterschiedlich geregelt.

Zugleich bestätigten die Ermittler erneut, dass der Co-Pilot Andreas Lubitz die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht hatte. Der 27-Jährige hatte unter schweren Depressionen gelitten und sich in den Tagen vor dem Absturz im Internet über Möglichkeiten eines Suizids informiert. Nach dem Willen eines Arztes sollte er in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden. Der Mediziner habe zwei Wochen vor dem Airbus-Absturz eine mögliche Psychose diagnostiziert und eine Einweisung empfohlen. Lubitz hatte seinen Arbeitgeber nicht über seine Krankschreibung informiert.

Nach Ansicht des Anwalts der Opfer zeige der Bericht deutliche Mängel bei der Auswahl, der Einstellung und der Überwachung des verantwortlichen Co-Piloten auf. "Der Lufthansa-Konzern hat einen psychisch krankhaft vorbelasteten Pilotenanwärter eingestellt und ausgebildet, ein Fehler mit schrecklichen Folgen", sagte Anwalt Christof Wellens. Außerdem sei der Mann trotz einer eingeschränkten Flugerlaubnis wegen seiner Vorerkrankung nicht mehr psychiatrisch untersucht worden.

Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben, unter ihnen 72 Deutsche.

Bereits in einem Zwischenbericht im vergangenen Mai war die BEA zu dem Ergebnis gekommen, dass Lubitz das Flugzeug absichtlich abstürzen ließ. Den Flugkapitän hatte er zuvor aus dem Cockpit ausgesperrt.

Die BEA ist nicht für die juristische Aufarbeitung oder mögliche Schuldfragen zuständig, sondern für die sogenannte Sicherheitsuntersuchung. Neben dem exakten Ablauf des Geschehens, den sie bereits im vergangenen Jahr in einem Zwischenbericht darstellte, geht es dabei vor allem um mögliche Konsequenzen für Sicherheitsbestimmungen.

Die Hinterbliebenen der Opfer wurden über die Ergebnisse der BEA bereits am Samstag hinter verschlossenen Türen in Bonn und Barcelona informiert.

Die Katastrophe in den südlichen französischen Alpen hatte international für Entsetzen gesorgt. Am 24. März, dem ersten Jahrestag des Absturzes, wird in der Region erneut der Opfer gedacht.