Eine Steinplatte, die in französischer, deutscher, spanischer und englischer Schrift graviert ist, erinnert an die Opfer des Absturzes der Germanwings-Maschine am 24. März nahe dem französischen Alpendorf Le Vernet. © Jeff Pachoud/AFP/Getty Images

Die Angehörigen der Opfer des Germanwings-Absturzes verklagen die Flugschule der Lufthansa, in welcher der Kopilot Andreas Lubitz ausgebildet wurde. Die Klage werde noch in diesem Monat vor einem Gericht in Phoenix im Bundesstaat Arizona eingereicht, sagte der Mönchengladbacher Rechtsanwalt Christof Wellens. Wellens vertritt die Opferfamilien in der Sache.

In Goodyear nahe Phoenix sitzt die Flugschule für die angehenden Lufthansa-Piloten. Dort sei auch Kopilot Andreas Lubitz ausgebildet worden, der den Ermittlern zufolge die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht hat. "Lubitz hat seine Pilotenausbildung 2009 wegen psychischer Probleme unterbrochen. Aus unserer Sicht hätte er danach keine Fluglizenz bekommen dürfen", sagte Wellens.

In den USA könnten pro Absturzopfer bis zu fünf Millionen Dollar geltend gemacht werden. Die Ansprüche müssten aber individuell begründet und errechnet werden, sagte Wellens. Es gehe um Schmerzensgeld, wirtschaftliche Verluste, Unterhaltsansprüche, Kosten für die Reisen zu den Gräbern sowie die Kosten für die psychologische Betreuung. Eine Gesamthöhe der Ansprüche nannte Wellens nicht.

Germanwings - Die Flugroute von 4U9525 Auf der Website www.flightradar24.com ist die Flugroute der abgestürzten Germanwings-Maschine verzeichnet gewesen.

Die Anwälte der Angehörigen hatten der Lufthansa mehrfach mit einer Zivilklage in den USA gedroht, wo deutlich höhere Ansprüche geltend gemacht werden könnten. Über die juristische Konstruktion war aber bislang Stillschweigen bewahrt worden.

Wellens und der Berliner Rechtsanwalt Elmar Giemulla vertreten Angehörige von Opfern des Unglücks vom 24. März 2015. Die Germanwings-Maschine war bei dem Flug 4U9525 von Barcelona nach Düsseldorf an einem Berg zerschellt. Alle 150 Menschen an Bord starben. Die Ermittler halten es für erwiesen, dass der Kopilot das Flugzeug absichtlich auf Crashkurs steuerte. Der 27-Jährige hatte demnach über Jahre hinweg an Depressionen gelitten.

Für jedes Opfer war nach Angaben von Germanwings eine Soforthilfe von 50.000 Euro gezahlt worden. Dazu sollen 25.000 Schmerzensgeld für jeden Toten gezahlt werden. Nächste Angehörige sollten ohne weitere Prüfung 10.000 Euro bekommen. Dies lehnten die Anwälte als zu niedrig ab. In den USA sei teilweise mit dem 20- oder 30-fachen Entschädigungsbetrag des deutschen Schadenersatzrechts zu rechnen.

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