Franz Josef Strauß war bekannt für seine deutlichen Worte gegenüber dem politischen Gegner, und besonders wenig übrig hatte der langjährige CSU-Vorsitzenden für den Sozialismus der DDR. Mehr als 25 Jahre nach der Wiedervereinigung gesteht nun sein Sohn Max Strauß im Gespräch mit der ZEIT: Bei Strauß daheim wurde Ostrock gehört.

Auf den Plattenteller oder ins Kassettenfach kamen vor allem die Puhdys und Karat. "Die haben musikalisch richtig was gekonnt, die Kerle", sagte der Sohn des einstigen bayerischen Ministerpräsidenten. "Da war die DDR ja viel besser aufgestellt als die ganzen flachen Schlager-Bürschel bei uns!" Die jeweils neusten Musikalben "von sämtlichen DDR-Stars" erhielt Max Strauß demnach in den 1980er Jahren vom DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski als persönliche Geschenke. "Die hatte ich mir von ihm gewünscht", sagte Strauß.

Der Kontakt zwischen der Familie Strauß und Schalck-Golodkowski sei um das Jahr 1983 entstanden, als Franz Josef Strauß einen Milliardenkredit zu Gunsten des SED-Staats aushandelte. Max Strauß begleitete seinen Vater damals auf eine Reise in die DDR.

"Die knickt zu oft ein, wenn es schwierig wird"

In dem Interview beantwortet Strauß auch Fragen zur politischen Situation in Deutschland. Im Fokus seiner Kritik steht dabei Kanzlerin Angela Merkel. "Die knickt zu oft ein, wenn es schwierig wird", sagt Strauß. "Das ist bei allen großen Themen so, in der Finanzkrise, beim Euro, in der Atomfrage, selbst bei den Flüchtlingen. Sie eiert dann rum. Und jetzt fliegt ihr Europa auseinander. Als Politiker-Typ ist Angela Merkel so ziemlich das Gegenteil von meinem Vater", so Strauß. "Mit Frau Merkel habe ich jedenfalls meine großen Schwierigkeiten." 

Der 56-Jährige ist der älteste Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Ihm selbst, so Strauß Junior, falle es heute schwer, eine Wahlentscheidung zu treffen. Zwar sei er noch CSU-Mitglied, "aber eher aus historischen Gründen. Eigentlich bin ich eine Karteileiche." 

Strauß Junior lebt in Dresden

Ein Problem der aktuellen Politik sei, dass es zu wenige Figuren wie seinen Vater gebe, so Max Strauß. "Das, was die Demokratie ausmacht, nämlich politischen Streit auszutragen, findet heute in den Parteien und der öffentlichen Diskussion viel zu selten statt." In der politischen Rhetorik gehe es viel zu sehr darum, nicht angreifbar zu sein. Stattdessen regiere das "politisch Androgyne", so Strauß: "Das begann schon unter Helmut Kohl, und das ist mehr denn je unter Angela Merkel so." Gleiches gelte auch für die Partei seines Vaters, die CSU: "Zugegeben, es gab damals und gibt heute eine Menge Jasager und Schmeichler in der CSU."

Mehr zum Thema lesen Sie in der ZEIT Nr. 15 vom 31.3.2016.

Max Strauß lebt heute nahe Dresden und arbeitet dort als Generalbevollmächtigter einer Medizintechnik-Firma. Franz Josef Strauß war von 1961 bis zu seinem Tod 1988 CSU-Vorsitzender.