Norbert Blüm in dem griechischen Lager Idomeni ©Kay Nietfeld/dpa

Der ehemalige deutsche Arbeitsminister Norbert Blüm will aus Solidarität in dem griechischen Flüchtlingscamp Idomeni eine Nacht verbringen. Dafür baute er sein eigenes Zelt neben den Behausungen der Flüchtlinge auf.

Bei seinem Besuch kritisierte der 80-Jährige die katastrophalen Umstände in dem Lager als "Anschlag auf die Menschlichkeit". Er ergänzte: "Diese Art von Brutalität ist unwürdig der europäischen Kultur, es ist eine Kulturschande." Bei der Besichtigung eines Großzeltes auf dem Gelände scharten sich Menschen um ihn und riefen: "Thank you, Germany!"

Blüm kritisierte Österreich und andere mittel- und osteuropäische EU-Länder, die sich aktiv dafür eingesetzt hatten, dass die Grenzen entlang der Balkanroute für Flüchtlinge geschlossen wurden. "Was ist das eigentlich für eine Lösung? Die ziehen sich bequem zurück und sagen, Griechenland soll damit zurechtkommen." Sein Europa sei das nicht.

"Öffnet die Grenze"

In Griechenland sitzen wegen der Grenzsperren auf der Balkanroute mehr als 40.000 Migranten fest, davon 12.000 allein im improvisierten Lager Idomeni, das unmittelbar an der Grenze zu Mazedonien liegt. Dort demonstrierten Hunderte Flüchtlinge, sie verlangten die Öffnung der Grenze. Vor allem Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak setzten sich mit ihren Kindern auf die Bahngleise und skandierten "Öffnet die Grenze".

Ein syrischer Flüchtling, der 44-jährige Nasim Serhan, trat in den Hungerstreik. Er ist mit drei Kindern unterwegs und will zu seiner krebskranken Frau und dem vierten Kind, die sich nach seinen Angaben in Deutschland aufhalten. "Ich möchte sie sehen, nur für einen Tag", sagte Serhan.

Hepatitis A diagnostiziert

Bei einem neun Jahre alten, syrischen Flüchtlingskind diagnostizierten Ärzte am Freitag die Infektionskrankheit Hepatitis A. Das Hepatitis-A-Virus kann eine akute Leberentzündung verursachen und wird vornehmlich durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen.

Der stellvertretende griechische Verteidigungsminister Dimitris Vitsas sagte, er hoffe, dass sich die Lage in Idomeni binnen einer Woche verbessern werde, ohne dass ein "Einsatz von Gewalt" nötig sei. Die Regierung versuche, die festsitzenden Flüchtlinge davon zu überzeugen, dass sie sich in die über das Land verteilten Aufnahmezentren begeben sollten, sagte Vitsas dem Fernsehsender Mega. Sie würden deshalb in auf Arabisch, Farsi und Paschtu verfassten Flugblättern informiert und aufgerufen, mit den griechischen Behörden zusammenzuarbeiten.