Idomeni - Flüchtling hat sich aus Protest selbst angezündet Die Situation im griechischen Flüchtlingslager Idomeni ist sehr angespannt. Mehr als 12.000 Menschen harren schon seit Tagen unter hygienisch problematischen Zuständen aus. Sie fordern die Möglichkeit einer Weiterreise.

Im Flüchtlingslager in Idomeni hat sich ein Flüchtling mit Benzin begossen und selbst angezündet. Andere eilten ihm vor seinem Zelt zu Hilfe und konnten die Flammen schnell löschen. Der Mann, dessen Nationalität nicht öffentlich gemacht wurde, sei leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Bereits am Montag hatte sich in Idomeni nach Angaben aus Polizeikreisen ein Mann mit Benzin übergießen und anzünden wollen. Davon konnten ihn andere Bewohner des Lagers aber abhalten.

Am Abend weigerten sich Migranten und Flüchtlinge zudem, das Abendessen zu sich zu nehmen und hinderten andere Menschen daran, es sich zu holen. "Wenn wir hier nicht weg kommen, dann wollen wir hier alle sterben", sagten sie Reportern vor Ort.

In dem provisorischen Lager an der mazedonisch-griechischen Grenze harren nach jüngsten Schätzungen des griechischen Stabs für die Flüchtlingskrise gut 13.000 Menschen aus. Sie weigern sich, in andere, besser ausgestattete Lager zu gehen und fordern immer wieder die Öffnung der Grenze zu Mazedonien.

"Wir wollen Deutschland"

Dies taten am Montag auch rund 100 irakische Jesiden, die vor einer orthodoxen Kirche in dem nordgriechischen Grenzort gegen die Schließung der Balkangrenzen für Flüchtlinge demonstriert hatten. Die Asylsuchenden riefen "Öffnet die Grenze!" und "Wir wollen Deutschland!", als sie aus dem improvisierten Lager vor die kleine Kirche zogen. "Wir sind hierher gekommen, weil wir einen ähnlichen Glauben haben", sagte ein junger Demonstrant aus dem nordirakischen Sindschar-Gebirge.

Diesen Protesten haben sich nun auch internationale Helfer angeschlossen. Sowohl das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) als auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen haben ihre Arbeit in mehreren Lagern in Griechenland eingestellt. Betroffen sind demnach jene der als Hotspots bezeichneten Aufnahmelager. Laut UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming sind diese Lager aufgrund des Deals mit der Türkei seit dem Wochenende de facto in Internierungslager umgewandelt worden. "Den Menschen wird nicht mehr erlaubt, die Lager zu verlassen, sie sind eingesperrt", sagte sie. Das verstoße gegen Grundsätze des UNHCR.

Tsipras bittet Merkel um Personal

Auch Ärzte ohne Grenzen prangerte diesen Umgang mit den Flüchtlingen an. Mit Blick auf das Aufnahmelager Moria, dem sogenannten Hotspot auf der griechischen Insel Lesbos, sagte ein Sprecher: "Frauen, Kinder, ganze Familien dürfen dort nun nicht mal mehr ihre Baracken verlassen. Wenn das keine Haftanstalt ist, was ist es dann?"

Der Flüchtlingspakt sieht vor, dass in Griechenland aus der Türkei illegal eingereiste Migranten von Anfang April an zurück in die Türkei gebracht werden. Alle Asylsuchenden erhalten eine Einzelfallprüfung. Nur wer nachweisen kann, dass er in der Türkei verfolgt wird, darf in Griechenland bleiben. Nach den Worten des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras braucht sein Land für die Umsetzung des EU-Türkei-Deals dringend Personal. Kürzlich hatte er gesagt, notwendig seien mindestens 2.300 Experten, darunter Dolmetscher, Sicherheitsleute und Asylexperten.