Idomeni - Flüchtling hat sich aus Protest selbst angezündet Die Situation im griechischen Flüchtlingslager Idomeni ist sehr angespannt. Mehr als 12.000 Menschen harren schon seit Tagen unter hygienisch problematischen Zuständen aus. Sie fordern die Möglichkeit einer Weiterreise.

Etwa 500 Flüchtlinge haben im Norden Griechenlands eine Autobahn gesperrt, die von Thessaloniki zur mazedonischen Grenze führt. Sie bauten auf der Fahrbahn Zelte auf und hinderten Autos und Lastwagen daran, weiterzufahren. Sie fordern, dass die Europäischen Staaten entlang der sogenannten Balkanroute ihre Grenzen wieder öffnen.

Im griechischen Fernsehen war zu sehen, wie sie riefen: "Öffnet die Grenzen. Wir wollen hier weg." Mehrere Flüchtlinge legten sich vor die Fahrzeuge. Sie kamen aus dem Camp nahe Idomeni. Dort hatten zuvor einige Menschen die Essensausgabe gestört, um gegen die Situation im Lager zu protestieren. "Wenn wir hier nicht wegkommen, dann wollen wir alle sterben", sagte eine Frau, die das Essen verweigerte.

"Die Menschen hier tun sich aus lauter Verzweiflung selbst Schlechtes an", sagte Babar Baloch, Sprecher des UNHCR. Am Dienstag hatten bereits zwei Flüchtlinge versucht, sich selbst anzuzünden. Mit brennenden Kleidern liefen sie durch eine Menschenmenge, anderen versuchten, sie zu löschen. Mehr als 13.000 Menschen halten sich in dem Lager nahe der Grenze auf und warten darauf, weiterreisen zu dürfen.

Unterdessen werden alle Flüchtlinge festgenommen, die Griechenland seit Sonntag erreichen. Sie sollen in die Türkei abgeschoben werden. Ab wann ist unbekannt. Rechtliche und praktische Fragen seien noch unklar. "Es ist für niemanden angenehm, aber wir setzen Maßnahmen um, die mit der Europäischen Union vereinbart wurden", sagte der griechische Minister für öffentliche Ordnung, Nikos Tsokas. "Jeder, der kein Asyl bekommt, wird in die Türkei zurückgeschickt werden – das ist nicht angenehm."

Die Situation ist an vielen Orten in Griechenland unerträglich – auch auf den Inseln in der Ägäis. In den Aufnahmelagern dort wollen Ärzte ohne Grenzen und das UNHCR ihre Arbeit einstellen. Sie begründeten dies damit, das die Hotspots für Flüchtlinge de facto zu Internierungslager würden, sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming. "Den Menschen wird nicht mehr erlaubt, die Lager zu verlassen, sie sind eingesperrt." Das verstoße gegen Grundsätze des UNHCR. Man wolle sich nicht zu Komplizen eines Systems machen, "das wir als unfair und unmenschlich ansehen", sagte die Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen, Marie-Elisabeth Ingres. Die Hilfe der Organisation dürfe nicht für eine Massenabschiebung instrumentalisiert werden.