Nach dem Selbstmordanschlag in Istanbul kommen Fragen über die Informationspolitik der türkischen Behörden auf. Unter dem Hashtag #DankeSchönDeutschland bedanken sich viele Türken bei den deutschen Vertretungen in dem Land. Diese hatten bereits am vergangenen Donnerstag öffentliche Sicherheitswarnungen wegen konkreter Anschlagsgefahr herausgegeben und zu erhöhter Vorsicht aufgerufen. Durch die Aktion wird auch Misstrauen an den türkischen Behörden deutlich, die diese Warnungen als Panikmache und negative Manipulation der Öffentlichkeit abgetan hatten. 

Wegen der deutschen Anschlagswarnungen hatten viele Türken größere Menschenmassen und belebte öffentliche Plätze gemieden. Journalisten berichten, dass die Einkaufsstraße İstiklal im Zentrum Istanbuls am Samstag ungewöhnlich ruhig gewesen sei.

Dort sprengte sich am Samstagmorgen ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss dabei fünf weitere Menschen mit in den Tod. Unter den Toten sind drei Israelis, von denen zwei auch eine amerikanische Staatsbürgerschaft haben, und ein Iraner. Das teilten die jeweiligen Regierungen mit. Nach Angaben des türkischen Gesundheitsministeriums sind zudem mindestens 36 Menschen verletzt worden, darunter zwölf Ausländer. Vom Auswärtigen Amt hieß es, unter den Verwundeten sei kein deutscher Staatsbürger.

Unklar ist, wer hinter dem Anschlag steckt. Ein Regierungsmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass erste Indizien nahelegten, die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK könne für das Attentat verantwortlich sein.

Türkische Behörden sollen deutsche gewarnt haben

Seit vergangenem Donnerstag sind die Deutsche Schule, das deutsche Generalkonsulat in Istanbul und die deutsche Botschaft in Ankara geschlossen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte diese Entscheidung aus Sorge um den Schutz von deutschen Staatsbürgern getroffen, die in diesen Einrichtungen arbeiten. Die Welt berichtet, der Bundesnachrichtendienst habe durch türkische Behörden Informationen über ein mutmaßliches Mitglied des "Islamischen Staats" (IS) erhalten, darunter Name, Foto, Geburtsdatum und Telefonnummer. Der Mann soll aus Syrien in die Türkei gereist sein, um dort einen Anschlag auf deutsche Einrichtungen zu verüben.

Am Freitag hatte der Istanbuler Gouverneur Vasip Şahin dagegen erklärt, die deutschen Sicherheitswarnungen fußten lediglich auf Gerüchten, die aus sozialen Netzwerken stammten. Zudem kursierten in diversen Medien Theorien, nach denen Deutschland mit den Attentätern heimlich kooperiere und mit Absicht Panik verbreite. Die regierungsnahe Zeitung Akşam titelte bezogen auf die Schließung der deutschen Vertretungen: "Terror nach deutscher Art".

In den vergangenen Monaten hatte es mehrere Anschläge gegeben, zuletzt am vergangenen Sonntag in Ankara. 37 Menschen wurden dabei getötet, 125 wurden verletzt. Auf ihrer Internetseite bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) zu der Tat. Der schwerwiegendste Anschlag ereignete sich vergangenen Oktober, ebenfalls in Ankara. Während Tausende Kurden vor dem Hauptbahnhof demonstrierten, explodierten mehrere Bomben. 103 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Die türkische Regierung machte damals Terroristen des IS für den Anschlag verantwortlich.