Das sichtbare Ablegen einer Ausgabe der rechten Zeitschrift Compact hinter der Windschutzscheibe eines Polizei-Einsatzwagens hat Konsequenzen für zwei Erfurter Bereitschaftspolizisten. Sie seien mit sofortiger Wirkung in eine andere Dienststelle versetzt worden, sagte ein Sprecher der Landeseinsatzzentrale. Es seien Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Außerdem werde geprüft, ob sie gegen ihre beamtenrechtlichen Pflichten verstoßen hätten.

Die Zeitschrift war von Aktivisten auf der AfD-Demonstration in Jena bemerkt worden. Auf dem Titelcover der Ausgabe ist AfD-Chefin Frauke Petry zu sehen. Nachdem das Foto veröffentlicht worden war, entschuldigte sich die Polizei auf Twitter: "Nein – wir sind selbstverständlich unparteiisch! Sorry trotzdem." Die Polizei räumte später ein, dass die politische Neutralität der eingesetzten Beamten offensichtlich nicht gewahrt worden sei. Beim Polizeiführer habe der Fall für Unverständnis gesorgt. "Alle Polizeibeamten haben im Einsatz parteipolitische Neutralität zu wahren", hieß es.

Compact-Chefredakteur ist Jürgen Elsässer, der wiederholt bei AfD-Veranstaltungen und auch schon bei einer Demonstration des Leipziger Pegida-Ablegers Legida auftrat. Das rechtspopulistische Magazin bedient Verschwörungstheorien und organisierte unter anderem die sogenannte Friedenskonferenz.

Zuletzt gab es in mehreren Bundesländern Hinweise auf rechte Tendenzen innerhalb der Polizei. Sachsens Vizeregierungschef sagte im Interview mit der ZEIT: "Ich frage mich außerdem, ob die Sympathien für Pegida und die AfD innerhalb der sächsischen Polizei größer sind als im Bevölkerungsdurchschnitt." Als Dienstherr dürfe er erwarten, "dass sie die Grundelemente politischer Bildung verinnerlicht haben". Es gebe in der Polizei großen Nachholbedarf bei der interkulturellen Kompetenz, sagte er weiter. In Brandenburg prüfte die Polizei, ob Beamte rechtsextreme Propaganda vertuscht haben. Ein Berliner Polizist soll für rechtsextreme Gruppen geworben haben.

Die AfD hatte in Jena zum zweiten Mal zu einer Demonstration aufgerufen. Nach Polizeiangaben beteiligten sich rund 550 Anhänger an der Veranstaltung; ihnen standen bis zu 2.550 Gegendemonstranten gegenüber. Als Gegendemonstranten Absperrungen durchbrechen wollten, setzte die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Es gab mehrere Verletzte.