Seit heute gilt das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei. Einige Flüchtlinge kennen die Regelungen darin, dennoch haben sie sich über die Türkei auf den Weg nach Griechenland gemacht. Am Morgen legten mehrere Boote mit Flüchtlingen auf der Insel Lesbos an. Allein binnen einer Stunde seien drei Boote angekommen, berichtet die Agentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen. Die Polizei gab an, dass bisher zwölf Boote in der Nähe des Inselflughafens festgemacht hätten. Auf einem der Boote seien zwei tote Männer entdeckt worden. Insgesamt hätten seit der Nacht 875 Menschen übergesetzt, teilte der griechische Krisenstab für die Flüchtlingskrise mit.

Entsprechend des Abkommens werden alle Menschen, die von der Türkei nach Griechenland flüchten, nun zurückgeschickt. Vorher sollen sie registriert und ihre Asylanträge gestellt werden. In der EU bleiben darf nur, wer nachweisen kann, dass er in der Türkei nicht sicher ist. Voraussetzung für die Rückführung ist, dass die Türkei alle Flüchtlinge entsprechend der Genfer Konventionen behandelt.

Mit der Rückführung soll am 4. April begonnen werden. Im Gegenzug verspricht die EU, syrische Flüchtlinge direkt aus der Türkei zu übernehmen. Durch die Regelung sollen die Flüchtlinge davon abgehalten werden, den gefährlichen Weg über das Mittelmeer zu wählen. Das Abkommen ist umstritten. Die Vereinten Nationen fürchten etwa, dass das Grundrecht auf Asyl umgangen werden könnte.

Einer der Neuankömmlinge auf Lesbos, der Syrer Hussein Ali Muhammad, sagte Reuters, er wisse um die seit Sonntag geltende Regelung. Dennoch hoffe er, in sein Wunschland Dänemark zu gelangen. Dort wolle er sein Studium zu Ende führen. "Ich will kein Geld, ich will nur mein Studium abschließen. Das ist meine Botschaft", sagte er. Auch andere Flüchtlingen sagten, ihnen sei die Neuregelung bekannt.

Bisher fehlen Richter und Sachbearbeiter

Griechenland hat bereits angekündigt, die vereinbarten Ziele nicht einhalten zu können. Ein solcher Plan lasse sich nicht "in nur 24 Stunden" umsetzen, sagte der Koordinator für Einwanderungspolitik, Giorgos Kyritsis, der Agentur AFP am Samstagabend. Zwar fordere auch Regierungschef Alexis Tsipras die rasche Umsetzung. "Aber de facto braucht man Strukturen, das Personal muss vorbereitet sein und das dauert ein bisschen länger", sagte Kyritsis.

Nach Einschätzung der EU-Kommission fehlen zur Registrierung und Prüfung der Asylverfahren 4.000 Mitarbeiter. 400 Dolmetscher und 400 Asylfachleute würden zudem benötigt, teilte die Brüsseler Behörde am Samstag mit. Für die Einspruchsverfahren gegen geplante Rückführungen in die Türkei seien weitere 30 Dolmetscher sowie 30 Richter aus anderen EU-Ländern erforderlich. Deutschland und Frankreich schicken zudem zusammen 400 Polizisten und 200 Asylexperten, berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Vorerst sollen die Flüchtlinge, die auf den griechischen Inseln ankommen, dort bleiben. Auf Lesbos können etwa 3.500 Personen vorübergehend unterkommen. Die Flüchtlingslager Moria und Karatape etwa sind bereits überfüllt. Am Samstag hat Griechenland daher damit begonnen, die Camps zu räumen und die Menschen aufs Festland zu bringen."Wir leeren die Camps so schnell, wie wir können", sagte ein Polizist Spiegel Online. Demnach sollen allein am Sonntag 2.000 Flüchtlinge fortgebracht werden.