Der wegen der Pariser Attentate gesuchte Salah Abdeslam ist bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gefasst worden. Das bestätigte der belgische Staatssekretär für Asyl und Immigration, Theo Francken. "Wir haben ihn", twitterte Francken. Drei Tage nach einer Schießerei mit Terrorverdächtigen hatte die belgische Polizei dort einen neuen Großeinsatz gestartet. Mehrere Schüsse waren zu hören. Der Einsatz galt Abdeslam, der als Hauptverdächtiger der Paris-Anschläge gilt. Laut belgischen Medien wurde Abdeslam verletzt und hatte sich in einem Gebäude verschanzt.

Nach Angaben des belgischen Ministerpräsidenten Charles Michel sind bei dem Einsatz insgesamt drei Terrorverdächtige festgenommen worden. Auch nach der Festnahme waren in dem Gebiet noch zwei Detonationen zu hören. Im Zusammenhang mit einem weiteren Großeinsatz der Polizei wurden von der Polizei mehrere Straßen in Molenbeek abgesperrt.

Am Dienstag waren Polizisten bei Ermittlungen zu den Anschlägen von Paris im Brüsseler Vorort Forest von Unbekannten beschossen worden. Ein Verdächtiger war getötet worden. Insgesamt vier Polizisten waren verletzt worden, einer davon schwer. Die Staatsanwaltschaft hatte am Freitagvormittag bestätigt, dass nach dieser Schießerei neue Hinweise zu Abdeslam entdeckt worden seien.

Salah Abdeslam ist im Brüsseler Problemviertel Molenbeek aufgewachsen. Er war der Polizei wegen Drogendelikten bekannt. Nach den Anschlägen von Paris wurde er per internationalem Haftbefehl gesucht. Zwischenzeitlich war über einen Aufenthalt in Syrien spekuliert worden. Sein Bruder Brahim war ebenfalls an den Anschlägen beteiligt. Nach den Angriffen war es Salah Abdeslam mit zwei Begleitern gelungen, auf dem Weg nach Belgien unbehelligt eine Polizeikontrolle zu passieren.

Salahs Bruder Mohamed hatte in Fernsehinterviews an den Gesuchten appelliert, sich zu stellen. Er berichtete, dass seine Brüder in den Monaten vor den Anschlägen gesünder gelebt, gebetet, keinen Alkohol mehr getrunken hätten und hin und wieder in die Moschee gegangen seien. Er wollte darin aber "nicht direkt ein Zeichen für Radikalisierung" sehen. Zur Rolle seines Bruders sagte Mohamed: "Salah ist sehr intelligent. Er hat in letzter Minute kehrtgemacht".

Bei den koordinierten Attacken waren am 13. November 2015 in und bei Paris insgesamt 130 Menschen ermordet worden. Zu der schwersten Anschlagsserie in der Geschichte Frankreichs bekannte sich der "Islamische Staat" (IS).