Mutter Teresa 1993 in Neu Delhi © dpa

Nur 18 Jahre nach ihrem Tod wird Mutter Teresa heiliggesprochen. Die Zeremonie soll am 4. September in Rom stattfinden und damit am Sonntag vor dem 19. Jahrestag der Nonne am 5. September 1997. Damit ist der Prozess zur Heiligsprechung der aus Albanien stammenden Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin abgeschlossen.

Bereits 2003 wurde Mutter Teresa in einem der kürzesten Verfahren der Geschichte vom damaligen Papst Johannes Paul II. seliggesprochen – bereits sechs Jahre nach ihrem Tod. Johannes Paul nannte sie "ein Geschenk an die Kirche und an die Welt". Die Feier zur Seligsprechung fand vor 300.000 Gläubigen im Petersdom statt.

Im vergangenen Dezember dann hatte der Vatikan ein zweites der Ordensfrau zugeschriebenes Wunder anerkannt. Demnach ist die Heilung eines Brasilianers von einem bösartigen Hirntumor im Jahr 2008 wissenschaftlich nicht erklärbar. Eine Kommission des Vatikans bewertete die Heilung des damals 35 Jahre alten Mannes stattdessen als Wunder, das auf Fürsprache von Mutter Teresa gewirkt worden sei.

Symbol für christliche Nächstenliebe

Mit diesem Votum waren die Voraussetzungen für eine Heiligsprechung erfüllt, die im Herbst Papst Franziskus vollziehen wird. Er selbst hatte Mutter Teresa 1994 während einer Bischofssynode im Vatikan persönlich kennengelernt. Damals saß sie direkt hinter dem heutigen Papst. Er habe ihre Kraft und Entschiedenheit ihrer Wortmeldungen bewundert, sagte Franziskus später. Sie habe sich nicht von den Bischöfen einschüchtern lassen. Mutter Teresa sei eine Frau gewesen, "die immer das sagte, was sie sagen wollte".

Mutter Teresa wurde 1910 im heutigen Skopje geboren. Mit 18 Jahren trat sie bei den Loreto-Schwestern ein, die sie als Lehrerin nach Kolkata sandten. 1948 verließ sie diese Gemeinschaft. In einen weißen Sari, die übliche indische Frauentracht, gekleidet, siedelte sie in eines der schlimmsten Elendsviertel von Kolkata über, um dort das Leben der Armen zu teilen. Schon ein Jahr später konnte sie dort mit einheimischen jungen Frauen, die sich ihr anschlossen, eine Gemeinschaft bilden, die Missionarinnen der Nächstenliebe.

Immer mehr junge Frauen, zunächst in Indien und später auf allen Kontinenten, schlossen sich ihrem Orden an. Für dieses Wirken wurden ihr zahlreiche Ehrungen zuteil, unter anderem die Ehrenstaatsbürgerschaft der USA sowie 1979 der Friedensnobelpreis. 1997 starb sie im Alter von 87 Jahren – als weltweites Symbol für christliche Nächstenliebe.

Kritik und Zweifel an ihrer Arbeit

Die Ordensfrau war allerdings nicht unumstritten, auch weil sie ihr Leben lang an den traditionellen Werten der katholischen Kirche festgehalten hatte. Empfängnisverhütung und Abtreibung lehnte sie strikt ab – Kritiker warfen ihr daraufhin vor, so auch selbst zum Elend der Menschen beigetragen zu haben. Zudem soll sie versucht haben, ihren Schutzbefohlenen den Katholizismus aufzuzwingen.

2013 dann veröffentlichten drei kanadische Wissenschaftler eine umfangreiche Studie zum Leben der berühmten Missionsschwester. Darin kamen sie zu dem Ergebnis, in den Armenhäusern des Ordens hätten schlechte hygienische Zustände geherrscht. Sterbenden seien teilweise Schmerzmittel verweigert worden. Die Missionarin sei "alles andere als eine Heilige", bilanzierte damals der Leiter der Studie, der Psychologieprofessor Serge Larivee von der Universität Montreal.