Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen den NPD-Politiker Maik Schneider und mehrere Rechtsextremisten in Nauen laut einem Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Der Neonazi-Gruppe wird eine Serie von fremdenfeindlichen Anschlägen zugerechnet, die den Ermittlern zufolge als terroristisch eingestuft werden könnten. Wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung wird aber nicht ermittelt. Am Mittag wollen Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Justizminister Helmuth Markov (Linke) nähere Details bekannt geben. 

Die Ermittler schreiben der Neonazi-Zelle nach PNN-Informationen mehrere Anschläge zu, darunter auch den auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in einer Sporthalle – diese war im August 2015 komplett zerstört worden. Außerdem soll die Neonazi-Zelle mehrfach das Parteibüro der Linken in Nauen angegriffen sowie ein Brandanschlag auf das Auto eines Politiker-Paars der havelländischen Linken verübt haben. Im April 2015 hatten Rechtsextremisten beim Auto eines Jugendvereins, der sich für Flüchtlinge engagiert, die Reifen zerstochen und einen Drohbrief hinterlassen. Mitte Februar riefen Neonazis in Nauen auf Handzetteln offen zum Einsatz von Sprengsätzen gegen Flüchtlinge auf, sie forderten zum "absoluten Widerstand" gegen die "Invasion der Ausländer" auf und gaben in dem zweiseitigen Pamphlet Tipps zum Bau von Molotowcocktails und Rohrbomben sowie eine Anleitung zur Herstellung von Plastiksprengstoff.

Am Dienstag hatte es bereits eine Razzia gegeben, weil die Ermittler offenbar weitere rechtsextremistische Anschläge in der 17.000-Einwohner-Stadt befürchteten. Es wurden Wohnungen in Nauen, Schönwalde-Glien sowie Potsdam durchsucht und zwei Haftbefehle vollstreckt. Dabei ging es um den Brandanschlag auf das Auto eines Polen im Mai 2015, bei dem Brandbeschleuniger verwendet wurden. Als dringend tatverdächtig gelten der Nauener Stadtverordnete und Kreistagsabgeordnete Schneider, der 28-jährige Dennis W. und die 22-jährige Frauke K. Schneider und K. konnten bei den insgesamt sechs Durchsuchungen festgenommen werden. Die 22-Jährige wurde wieder freigelassen. Nach Dennis W., der der Polizei als Kleinkrimineller und aufgrund von Drogendelikten bekannt ist, wird gefahndet.

Bei der Razzia stellten die Ermittler neben Laptops, Handys, Datenträgern, Videokameras und schriftlichen Unterlagen auch Tonträger mit rechtsextremistischer Musik, geringe Mengen Drogen sowie mehrere Tausend Euro Bargeld sicher. 

Gewalt gegen Flüchtlinge - Die wenigsten Brandanschläge werden aufgeklärt Mehr als 90 Brandanschläge hat es im Jahr 2015 auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Doch nur in Ausnahmefällen werden die Täter gefasst.

Mit Messer auf Demo

Zu der Neonazi-Zelle gehören laut PNN weitere Mitglieder, als Schlüsselfigur gilt aber Schneider. Der ausgebildete Erzieher ist sowohl in der havelländischen NPD als auch für die Neonazi-Gruppe Freie Kräfte Neuruppin/Osthavelland aktiv und bewegte sich zeitweise im Umfeld des Kampfbundes Deutsche Sozialisten (KDS) und des seit 2009 verbotenen Vereins Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ). In der Vergangenheit meldete Schneider zahlreiche Anti-Asyl-Demos in Brandenburg an. Zudem soll er bei mindestens zwei der rechten Pogida-Demonstrationen in Potsdam gewesen sein.

Im Februar 2015 war Schneider an ausländerfeindlichen Tumulten bei einer Sitzung der Nauener Stadtverordneten maßgeblich beteiligt, bei der über den Bau eines Flüchtlingsheims in der Stadt abgestimmt werden sollte. Neonazis schlugen von außen gegen die Fensterfront des Saals und riefen lauthals "Ausländer raus". Der Raum musste geräumt werden. Gegen Schneider, der Rädelsführer der Aktion war, wurde ein Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs eingeleitet. Die Tumulte gelten laut PNN als Initialzündung für die Nauener Neonazis, die seitdem zahlreiche Anti-Asyl-Proteste in der Stadt initiierten. Die Märsche endeten erst nach dem Brand der Turnhalle im August 2015.

Auch außerhalb von Nauen soll Schneider aktiv gewesen sein, so meldete er beispielsweise den fremdenfeindlichen "Abendspaziergang durch Jüterbog" im November 2015 mit 150 bis 200 Teilnehmern an. Nach dem Aufmarsch wurde der Flüchtlingstreff der evangelischen Kirche in Jüterbog durch eine Explosion zerstört. Die Ermittler vermuten, dass Schneider an dem Anschlag beteiligt ist. Bei einer NPD-Demonstration in Potsdam fiel Schneider 2012 auf, weil er in der Nähe der Gegendemonstranten ein Messer mit sich führte. Seine Ausrede: Er habe lediglich seinen Kohlrabi schälen wollen.