Fünf Jahre nach der Tötung von Osama bin Laden haben die US-Geheimdienste ein weiteres Konvolut von den Dokumenten veröffentlicht, die beim US-Einsatz 2011 gegen den Al-Kaida-Chef im pakistanischen Abbottabad beschlagnahmt worden waren. Darunter soll demnach auch sein handschriftliches Testament sein, das Aufschluss über das Vermögen Bin Ladens geben soll. Das undatierte Dokument, verfasst auf liniertem Papier auf Arabisch, trägt die Unterschrift des Terrorführers.

Demnach verfügte er neben 12 Millionen Dollar, die er von seinem Bruder bekommen haben soll, auch über 29 Millionen Dollar, die er im Sudan angelegt hat und die seine Familie nach seinem Tod komplett der Terrorfinanzierung stiften soll. "Ich hoffe, dass meinem Willen Folge geleistet wird und dass all das Geld, das ich im Sudan gelassen habe, für den Dschihad ausgegeben wird, um Allahs willen", schrieb der Al-Kaida-Chef, der sich Anfang der 1990er Jahre fünf Jahre lang in der sudanesischen Hauptstadt Khartum aufgehalten hatte. Die US-Geheimdienste machten keine Angaben dazu, was mit dem Geld in dem afrikanischen Land seither geschehen ist.

Bei dem Einsatz in Abbottabad am 2. Mai 2011 hatte die US-Spezialeinheit Navy Seals Bin Laden getötet und Tausende Dokumente beschlagnahmt. Seit dem vergangenen Sommer prüft die CIA die Papiere systematisch nach Kriterien des Nationalen Sicherheitsstabs im Weißen Haus, beteiligt sind Experten aus sieben Regierungsbehörden. Bereits im Mai wurden auf richterliche Anordnung mehr als hundert der Schriftstücke freigegeben. Darin forderte Bin Laden unter anderem, die Attacken von Dschihadisten sollten sich auf den Erzfeind USA konzentrieren, statt sich in Konflikten mit Regierungen im Nahen Osten und der Golfregion zu verausgaben.

"Mit Geduld wird der Sieg kommen"

Die nun veröffentlichten Dokumenten behandeln etliche Themen, darunter den Zwist zwischen Al-Kaida und dessen rebellischen Ableger im Irak, aus dem letztlich die Terrormiliz "Islamischer Staat" entstand. Insgesamt versucht Bin Laden in den Schriftstücken immer wieder den Eindruck zu vermitteln, dass der "Heilige Krieg" gelingt und der große Gegner USA zum Scheitern verurteilt ist.

So schrieb er in einem Brief, der vermutlich aus dem Jahr 2010 stammt, über den Konflikt in Afghanistan: "Sie dachten, dass der Krieg einfach würde, und dass sie ihre Ziele in wenigen Tagen oder Wochen erreichen würden, und sie sind finanziell nicht vorbereitet, und es gibt keine Unterstützung der Bevölkerung, die es ermöglichen würde, einen Krieg für ein Jahrzehnt oder mehr zu führen." In einem weiteren Dokument aus etwa derselben Zeit vergleicht er den US-Militäreinsatz in Afghanistan mit dem gescheiterten Krieg der Sowjetunion dort. "Amerika scheint am seidenen Faden zu hängen", schrieb Bin Laden. "Wir müssen noch ein kleines bisschen Geduld haben. Mit Geduld wird der Sieg kommen."

Zu den Dokumenten zählt auch ein Brief des Al-Kaida-Chefs an seinen Vater vom 8. August 2008. Darin brachte er seine Sorge zum Ausdruck getötet zu werden. "Wenn ich getötet werde, bete viel für mich und gib fortlaufend Almosen in meinem Namen", schrieb er. Seinen Vater bat er auch um Vergebung, ohne aber Reue zu zeigen: "Ich hätte gerne, dass du mir vergibst, sollte ich etwas getan haben, was dir nicht gefiel."