Die Bundesregierung hat nach Angaben von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) derzeit keine Hinweise auf geplante Anschläge in Deutschland. Den Sicherheitsbehörden lägen "keine solchen Hinweise auf bevorstehende Anschläge in Deutschland vor, dass wir Veranstaltungen absagen oder bestimmte Gebiete sperren müssten", sagte de Maizière der Bild am Sonntag. Die Lage sei jedoch "angespannt".

"Unsere Freiheit macht uns zum Feind der Terroristen", sagte de Maizière und forderte die Mitgliedstaaten der Europäischen Union dazu auf, wieder enger mit US-Geheimdiensten zu kooperieren. Die Zusammenarbeit mit den USA sei "wichtiger denn je".

Thomas de Maizière will Datenschutz lockern

Der Minister verlangte nach den Anschlägen von Brüssel zudem einen besseren Datenaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden in der Europäischen Union. Im Zweifel müsse der Datenschutz zurückstehen. "In Zeiten ernsthafter Gefahren" müsse "klar sein, dass der Datenschutz nicht wichtiger ist als der Schutz der Bürgerinnen und Bürger", sagte de Maizière.

In der ARD-Sendung Beckmann gestand der CDU-Politiker, mit zweideutigen Antworten nach den Anschlägen in Paris für Beunruhigung gesorgt zu haben. Als kurz nach den Anschlägen ein Fußball-Länderspiel in Hannover aus Sicherheitsgründen abgesagt worden war, weigerte er sich vor Journalisten etwas zu den Hintergründen zu sagen. "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern", sagte er stattdessen. Diese vieldeutige Aussage brachte ihm Kritik und viel Spott ein.

In der Sendung sagte er jetzt, er habe zum Zeitpunkt seiner damaligen Pressekonferenz nicht ausschließen können, dass ein Angriff auf den Hannoveraner Hauptbahnhof bevorstand. "Der angekündigte Terroranschlag sollte in zwei Phasen stattfinden. Ein Anschlag im Stadion und einige Stunden später im Hauptbahnhof."

Nach eigenen Worten wollte er damals bewusst "nicht offenbaren, dass eine denkbare Gefahr am Hauptbahnhof ist". Er habe sich nicht eindeutig äußern wollen, weil noch Zehntausende Menschen in Hannover unterwegs gewesen seien. "Der Satz ist sozusagen der Sache nach richtig gewesen. Wenn man ihn aber alleine liest, hat er natürlich eher zur Verunsicherung als zur Beruhigung beigetragen. Das muss ich eingestehen."

Mehr als die Hälfte der Deutschen rechnet mit einem Anschlag

56 Prozent der Bundesbürger erwarten indes noch in diesem Jahr einen Anschlag in Deutschland. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid am vergangenen Mittwoch unter 502 Befragten für die Bild am Sonntag. 38 Prozent rechnen demnach nicht mit einem Anschlag im Jahr 2016. 56 Prozent der Deutschen sind der Erhebung zufolge frei von Angst vor Anschlägen. 42 Prozent ängstigen sich demnach.

Am Dienstag hatten sich zwei Attentäter am Flughafen Brüssel-Zaventem in die Luft gesprengt. Rund eine Stunde später verübte ein weiterer Angreifer einen Selbstmordanschlag in einer U-Bahn-Station im Europaviertel. Insgesamt wurden mindestens 31 Menschen getötet und etwa 300 weitere verletzt. Bei koordinierten Anschlägen in Paris waren am 13. November 130 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt worden.